Als Einstieg für die Weiterreise fahren wir durch den als sehr schön beschriebenen Finke River National Park. Zwei Deutsche, welche die Strecke als erstes Offroaderlebnis mit ihrem gemieteten Bushcamper ausgewählt haben, haben uns die Strecke als sehr schwierig beschrieben. Aber was wissen zwei Neulinge schon von richtigem Offroadfahren?


Durch den Finke River National Park...

Das Schild am Anfang der Strecke, welches vor diversen Gefahren warnt, beziehen wir nicht auf uns alte, offroaderfahrene Hasen, sondern natürlich auf sich-selbst-überschätzende Touristen mit ihren geländeuntauglichen Wohnmobilen. Die Piste ist dann auch breit und gut instand gehalten und ich brauche mich kaum zu konzentrieren. Wir passieren ein Farmhaus, hinter welchem die Piste ins ausgetrocknete Flussbett führt und plötzlich befinde ich mich mitten in einem tiefen, verspurten Sandfeld auf welches ein ebenso tiefes Schotterfeld folgt. Meine KTM beginnt heftig zu schlingern und ich kann den Kurs gerade mal so halten. Dies entlockt mir einige Flüche. Und es ist ja nicht so, als ob sich das hinter der nächsten Kurve ändern würde. Offensichtlich hatten die beiden deutschen Offroader doch nicht ganz unrecht und offenbar wären die Schilder auch für uns gedacht gewesen... Also halten wir an und lassen Luft ab. Nachdem ich mich nun auf die veränderten Verhältnisse eingestellt habe, beginnt es mir auch wieder richtig Spass zu machen. Zudem ist es landschaftlich sehr eindrücklich und einfach wunderschön.
An einem der diversen Wasserlöcher im ansonsten trockenen Flussbett schlagen wir unser Lager auf. Das erfrischende Bad im Tümpel entwickelt sich eher zu einer Art Schlammschlacht, nach welcher wir uns erst recht schmutzig fühlen, aber die Abkühlung ist herrlich. Heute ist übrigens ein wichtiger Tag: David macht den ersten Brotteig, welcher in der Glut in der Pfanne gebacken wird. Das Brot duftet herrlich, allerdings ist der Boden komplett sandig und bedarf noch der Verbesserung. Die Nacht bricht herein und beim Aufstellen des Zeltes wären wir wirklich froh um die Sandheringe, welche sich nun im in Alice aufgegebenen Packet auf dem Weg nach Hause befinden. Nun, es wird schon halten.
Falsch gedacht! Mitten in der Nacht kommt ein starker Wind auf und bald schon flattert unser Zelt im Wind. Fabi vergräbt fleissig Holz und andere Dinge als Anker für seine Zeltschnüre, wir befestigen unser Zelt an einem Baum. Kaum wieder eingeschlafen, flattert neben uns im Baum ein Zelt. Nicht Fabi's, sondern das Toilettenzelt unserer australischen Nachbarn hat sich losgerissen und in den Ästen verfangen. David zerrt nur mit Unterhosen bekleidet das heftig flatternde Zelt durch den Wind zu seinem Besitzer zurück, der es mit seinem Handscheinwerfer bereits verzweifelt sucht - ein schönes Bild. Viel Schlaf kriegen wir nicht diese Nacht und sind am Morgen dementsprechend müde. Aber das Brot mit seiner knusprigen Rinde lässt die Laune sofort steigen.




...und entlang den Schienen des Old Ghan

Kurze Zeit nach Verlassen des Nationalparks fahren wir wieder auf einer hervorragenden Piste und überqueren schon bald den Stuart Highway in Richtung der Old Ghan Railway. Bei Einbruch der Nacht erreichen wir die erste Bahnstations-Ruine an der Strecke namens Rodinga. Das Chemine ist noch intakt und so sitzen wir vor dem Feuer und geniessen den Blick in den Sternenhimmel, denn das Wellblechdach der Hütte ist wohl längst weggerostet.
The Old Ghan war eine Schmalspurbahn, welche bis in die 80er zwischen Adelaide und Alice Springs verkehrte. Die Strecke wird nicht mehr benutzt und man kann über grosse Teile der Strecke direkt auf dem alten Bahndamm von Alice Springs bis nach Finke fahren. Anschliessend führte die Bahnlinie entlang des Oodnadatta Tracks nach Port Augusta. Der Abschnitt der Piste, welchen wir befahren, ist in leidlich gutem Zustand und es ist auch landschaftlich sehr schön. Die Infotafeln entlang der Strecke sind sehr interessant und geben uns einen Einblick, wie man sich eine Reise im Old Ghan vorstellen muss.




Nach einem Bad in den 37 Grad heissen Quellen von Dalhousie Springs fahren wir weiter zum Pink Roadhouse in Oodnadata, in welchem ich mir einen gemütlichen Morgen mache, während die Jungs 50km südlich eine alte Eisenbahn-Fachwerk-Stahlbrücke besichtigen und fotografieren. Sie kommen schwer beeindruckt und hungrig zurück.




Nach dem Essen führt uns der Weg nach Coober Pedy nun süd-westlich durch die Painted Desert. Die Hügel dort bestehen aus verschiedenen Gesteinsarten unterschiedlicher Farbe und die Landschaft sieht somit aus wie gemalt in Rot-, Weiss-, Gelb- und Brauntönen. Leider wird das schöne Abendlicht wieder einmal von Wolken verdeckt.




Text: Isabel

