Wir haben vor, in Tom Price einen Tag zu bleiben, um die Schlechtwetterfront abzuwarten, die der Wetterbericht angekündigt hat. Bei unserer Ankunft gegen Mittag scheint aber immer noch die Sonne und wir beschliessen, das Wetter nicht ungenutzt verstreichen zu lassen und den Hausberg von Tom Price zu erklimmen. Obwohl mit 1128 m/M für Australische Verhältnisse schon ein ordentlicher Berg und offiziell der höchste mit einem Fahrzeug erreichbare Punkt in Westaustralien, hat es ihm nicht für einen wohlklingenden Namen gereicht. Er heisst einfach Mt Nameless.
Da eine breite Piste, die mit kleiner Steigung über die flachste Strecke gemächlich auf den Gipfel führt für eine KTM keine wirkliche Herausforderung darstellt, besteigen wir Mt Nameless über den Fussweg auf der anderen, steilen Seite. Während der Wanderung entdecken wir drei Kängurus, die für ein Mal nicht sofort in grossen Sprüngen das Weite suchen, sondern sich ohne Scheu fotografieren lassen, was wir natürlich ausgiebig nutzen. In dieser Nacht wird eines dieser Viecher fast mein Zelt abreissen, weil das Zelt offenbar auf seinem Lieblings-Grasplatz der Campingwiese steht, aber das weiss ich jetzt noch nicht.




Nach einer guten Stunde erreichen wir den Gipfel und werden mit einer wunderbaren Rundumsicht belohnt. Die Mount Tom Price Mine, die wir morgen besichtigen wollen, sieht von hier oben mit ihren Erzzügen aus wie eine gigantische Modelleisenbahnanlage.




Nachdem die Nacht ohne den angekündigten Regenschauer, dafür mit einem unangekündigten Kängurubesuch mehr oder weniger entspannt über die Bühne ging, empfängt uns der Morgen mit leichtem Nieselregen. Wir sind froh, statt auf unseren Motorrädern im warmen Tourbus zu sitzen, der uns durch die Mount Tom Price Mine führt. Am meisten beeindrucken uns die riesigen Pneulader und Dump Trucks, die in der Mine eingesetzt werden, ein 4x4 Pickup sieht daneben wie ein kleines Spielzeugauto aus. Das Eisenerz wird vor Ort zerkleinert, vom restlichen Gestein gesäubert und mit einem kilometerlangen Zug zum nächsten Hafen in Dampier oder Cape Lambert gebracht, wo es per Schiff zur Weiterverarbeitung transportiert wird.




Mt Augustus

Am nächsten Morgen machen wir uns auf zum Mt Augustus. Wenn man der Werbung glaubt, dem grössten Monoliten auf der Welt und rund doppelt so gross wie der Ayers Rock. Ob das wirklich stimmt, wissen wir nicht. Auf jeden Fall entpuppt sich das Resort vor Mt Augustus im Gegensatz zu Ayers Rock als gemütlicher, kleiner Camping mit einem sehr netten Besitzer. Und anstatt dem anstrengenden Rummel mit hunderten Touristen, die direkt eingeflogen werden, hat es auf dem Camping nur ein paar wenige Reisende, die mit ihrem 4x4 auch den Weg hierhin geschafft haben. Nach einem netten Abend am warmen Lagerfeuer mit ein paar einheimischen Reisenden wandern wir am anderen Tag auf den Mt Augustus. Im Gegensatz zum Uluru ist dieser Berg den Aborigines nicht heilig und er kann bestiegen werden, ohne deren religiösen Gefühle zu verletzen. Andernfalls hätten wir auf die kleine Bergtour verzichtet.
Die Sonne will sich heute irgendwie nicht recht zeigen und auf dem Gipfel von Mt Augustus empfängt uns zusätzlich ein giftig kalter Wind, so dass wir den Lunch auf die Rückkehr zum Camping verschieben. Nach dem Eintrag im "Gipfelbuch" und einem Foto machen wir uns schnell wieder auf den Rückweg.





Der westlichste Punkt des australischen Kontinents

Der Australische Winter hat uns offenbar definitiv erreicht. Nachdem es auf dem Mt Augustus schon bitterkalt war, ist es auch am Tag unserer Weiterfahrt nicht wärmer und die Kleiderschichten unter der Motorradjacke werden immer mehr. Vor Mt Augustus haben wir aber auch den südlichen Wendekreis des Steinbocks überfahren und befinden uns nun ausserhalb der Tropen, für das Wetter offenbar definitiv die Lizenz, um kalt zu werden. Gegen Mittag wärmen wir uns im Roadhouse von Gascoyne Junction erst mit einigen Tassen heissen Tees oder Kaffees auf, bevor wir zu unserem Tagesziel Canarvon weiterfahren.


Auch wenn die Nächte kalt bleiben, werden wir vor unserer Weiterfahrt in Canarvon mit Sonne und blauem Himmel belohnt. So machen wir uns bei bestem Wetter auf zum Steep Point, dem westlichsten Punkt des australischen Kontinents. Ein paar Kilometer nach Beginn des Shark Bay Weltkulturerbes wechseln wir von Asphalt wieder auf Schotter und halten weiter Richtung Westen. Die anfänglich gute Piste wird immer sandiger und schlängelt sich um und über die Stranddünen bis ans Meer. Kurz vor der Küste müssen wir uns noch beim Ranger melden, um dort die Gebühr zur Benutzung der Piste zu bezahlen. Als er unsere Motorräder hört, kommt er mit etwas verwundertem Blick aus seinem Haus und meint, dass er mit Motorrädern nun wirklich nicht gerechnet hätte. Auf die Gebühr angesprochen sagt er nur "jaja, das wäre so, aber bei euch werde ich sicher nichts verrechnen" und wünscht uns noch eine gute Weiterreise. Ich geniesse es, vor dem Ende unserer der Reise nochmals richtig im Sand zu wühlen, auch wenn der Reifen nicht mehr so viel Grip hat und die eine Dünenüberfahrt etwa in der Mitte in einer grossen Sandwolke endet. Schon bald geht es aber nicht mehr weiter westlich. Vor uns liegt der Indische Ozean, das nächste Festland Richtung Westen ist Afrika, fast 10'000 km entfernt.
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Wo sollen wir übernachten?

Auf dem Camping in Mt Augustus haben wir von einem australischen Paar den Tip erhalten, unbedingt auf dem Bushcampground der Tamala Station zu übernachten, wenn wir zum Steep Point fahren. Er soll direkt am Meer liegen und wunderschön sein. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen und so nehmen wir mit Vorfreude die etwa 100 km von Steep Point bis Tamala Station unter die Stollen. Zu unserer Enttäuschung finden wir aber am Gate der Zufahrt zur Farm ein grosses Schild: "No Motorbikes". Über den Grund können wir nur rätseln. Tatsache ist, dass wir hier wohl nicht im Busch übernachten können und wir ziemlich angasen müssen, um einigermassen bei Tageslicht den nächsten Camping bei der ehemaligen Hamelin Pool Telegraph Station zu erreichen. Obwohl wir sonst Fahrten bei Dämmerung wann es immer geht vermeiden, bleibt uns heute nichts anderes übrig. Kurz vor Dunkelheit werden wir vom Chef des Campings in Hamelin Pool freundlich begrüsst, obwohl er sein Büro eigentlich schon geschlossen hat. Wir merken sofort, dass bei ihm Reisende immer willkommen sind und schon bald steht das Zelt und das Nachtessen kocht über der Gasflamme der Campingküche.


Text: Fabi


Mehr Informationen

Pilbara Iron: Mount Tom Price Mine (englisch)
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Wikipedia: Mt Augustus
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Wikipedia: Steep Point (englisch)
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