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Eiskalter Karijini
29.06.2009

Wir verlassen Broome in schönstem Sonnenschein und nehmen die erste Asphaltetappe unter die Räder. Es ist zwar sehr angenehm, auch als hinterster Fahrer mal eine staubfreie Sicht in die Landschaft geniessen zu können, aber die schnurgerade Strasse ist doch ordentlich langweilig.

Unsere ganze Hoffnung richtet sich deshalb auf die 80miles Beach: Ein 140km langer, weisser Sandstrand, welcher Gerüchten zufolge auf der ganzen Länge befahren werden kann. Eine tolle Alternative zum Great Northern Highway! An der ersten möglichen Abzweigung zum Strand treffen wir jedoch auf ein verschlossenes Gatter und ein riesiges Schild mit roter Schrift: "Private Property - Keep Out!" Wir respektieren diese unmissverständliche Botschaft und versuchen unser Glück bei den folgenden Abzweigungen weiter südwestlich - leider mit dem gleichen Resultat. Da wir aber doch gerne ein letztes Mal einen Strand bei warmen Wetter geniessen wollen, entschliessen wir uns dazu, wenigstens auf dem Camping der 80-Miles-Beach zu übernachten. Hier erfahren wir, dass die Zugänge zum Strand über die privaten Pisten der Rinderfarmen aus Haftungsgründen schon seit Jahren gesperrt seien - sehr schade! Dafür werden wir am Strand nochmals mit warmem Wetter und einem spektakulären Sonnenuntergang entschädigt. Manchmal ist das Leben einfach perfekt.

Unser nächstes Ziel ist der Karinjini National Park: Tiefe Schluchten, die teilweise nur kletternd oder watend erkundet werden können. Der Weg dahin mitten durch die Pilbara ist eine reine Augenweide: Rote Felsen, grüne, sanfte Hügel und ein blauer Himmel. Die Piste ist in einem hervorragenden Zustand und wir geniessen unsere Reise einmal mehr in vollen Zügen. Am diesem Abend wird es zum ersten Mal kühl und wir ziehen alle den Pullover an. Wenn's nicht mehr kälter wird, ist der Australische Winter ein Spaziergang! Aber eben, wenn...








Klettern, waten, knipsen

Karijini erweist sich als hervorragend organisiert: Besucher werden mit farbigen Karten ausgerüstet und die Wanderrouten sind in sechs Schwierigkeitsgrade von einfachen Spazierwegen bis anspruchsvollen Kletterrouten unterteilt. Gespannt machen wir uns auf den Weg und werden nicht enttäuscht. Die Dales Gorge mit ihren hohen, leuchtend roten Wänden und auch die Kalamina Gorge sind zwar einfach zu begehen und keine Herausforderung, jedoch unglaublich schön und beeindruckend.




Der lokale Savannah Campingplatz verwöhnt uns mit einer kalten Dusche und einem äusserst schwachen Herd. Wir warten anderthalb Stunden auf unser heisses Abendessen und sind danach so durchfroren, dass wir uns schnellstens in unsere Schlafsäcke kuscheln. Ist es wirklich erst zwei Tage her, dass ich in Shirt und Shorts den letzten Sonnenuntergang genossen habe? Am nächsten Morgen ist keiner von uns böse, dass die Nacht vorbei ist, denn die arktischen Temperaturen haben alle unsere Reserven an Kleidern und Schlafsackinlets gefordert.

Bewegung wärmt und so wagen wir uns in die Weano Gorge, welche klettern und am Ende sogar abseilen voraussetzt. Die Schlucht ist enger als die beiden gestern und wir müssen durch eisig kaltes, knietiefes Wasser waten. Die für diese Gegend typisch gestreiften, treppenartigen Felswandschichten machen die Kletterpartien für uns zu einem ungeahnten Spassfaktor, allerdings ist es oft auch ganz schön rutschig. Schlussendlich erreichen wir durch eine schmale Felsritze und über eine Felsstufe mit Seil den letzten Pool vor dem grossen Wasserfall.




Während ich mir erlaube, das eisige Wasser definitiv zu kalt zu finden, beweisen David und Fabi ihre Männlichkeit und waten die letzten, brusttiefen Meter nur in Unterwäsche und mit der Kamera durch den Pool, an dessen Ende sich der letztmögliche, ohne Seil erreichbare Punkt der Schlucht befindet. Durchgefroren aber zufrieden kehren sie zu mir zurück und wir klettern zügig aus der Schlucht in die wärmende Sonne.




Als zweite Etappe für heute haben wir uns die Hancock Gorge vorgenommen. Auch hier muss man klettern, will man alles sehen. Allerdings kann man trockene Füsse bewahren, wenn man es darauf anlegt. Die letzten Pools werden nur angeseilt empfohlen also beenden wir unseren Trip am Wasserfall.



Dieser Tag heute war zweifelsfrei noch viel beeindruckender als der letzte und ich bin voll auf meine Kosten gekommen. Dieser Nationalpark zählt für mich absolut zu den schönsten Australiens. Am Abend hält sich die Lust lange in der Kälte zu sitzen definitiv in Grenzen, also gehen wir früh zu Bett.

Klamm und kalt



Der nächste Morgen ist noch kälter und feuchter. Nebel liegt über dem Camping, Wolken ziehen auf am Horizont und es herrscht richtige Herbststimmung. Nach einem heissen Tee packen wir alles zusammen und machen uns auf den Weg nach Tom Price. Wolken kleben an den Hügeln und liegen sogar direkt auf der Strasse, so dass die Sicht massiv eingeschränkt ist. Besonders, da Crossbrillen keine automatischen Scheibenwischer beinhalten und die Angewohnheit haben, bei solchem Wetter von innen zu beschlagen. Zum Glück liegt unser heutiges Tagesziel nur hundert Kilometer entfernt und das Wetter bessert sich bis dahin deutlich. Wir geniessen wir die wärmenden Sonnenstrahlen in vollen Zügen, welche unsere Einfahrt in die Stadt begleiten.

Text: Isabel

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