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Endlich Krokodile!
19.06.2009
Nach einigen erholsamen Tagen in Darwin passt mein Fuss schon beinahe wieder problemlos in den Motocrosstiefel - es wird definitiv Zeit zu gehen. Wir geben unseren KTMs tüchtig die Sporen und nach zwei Tagen und 800 langweiligen Asphalt-Kilometern überqueren wir die Grenze nach Western Australia.




Willkommen in den Kimberley!


Vor uns liegt nun mein ganz persönliches Highlight dieser Reise: Die Kimberley Region. Uns erwarten beindruckende rostrote Felsformationen, paradiesische Oasen in engen Schluchten und: Baobabs! Baobabs kommen abgesehen von den Kimberley in Afrika und auf Madagaskar vor und sind leicht an ihrem dicken Stamm und den eigenartigen Ästen zu erkennen. Die Mythologie der Aborigines erklärt das Aussehen des Baobabs folgendermassen: "Als der Baumgott den Baobab erschuf, war er der schönste Baum im Universum, mit den schönsten Blüten und den saftigsten Früchten. Als der Baum aber ausgewachsen war, wurden seine Blüten mittelmässig und die Früchte rochen schlecht und schmeckten widerwärtig. Der Baumgott wurde so wütend, dass er den Baum aus dem Boden riss und verkehrt herum wieder in den Boden rammte. Aus diesem Grund sieht ein Baobab heute so aus, als ob seine Wurzeln in die Luft wachsen."

Unsere Karte und der Reiseführer sind sich einig: In den Kimberley kann man problemlos Wochen verbringen! Die Zeit zwingt uns jedoch zu einer engeren Auswahl, wobei wir angesichts von dutzenden von Schluchten teilweise schmerzhafte Komromisse eingehen müssen. Da ich in diesem Gebiet die Reiseleitung innehabe, fällt dieser Job mir zu.

Als erstes besichtigen wir Emma Gorge, in deren grünen Pools gebadet werden kann. Der Wanderweg zum obersten Pool ist lediglich 1.6km lang und wir rechnen mit einer knappen Viertelstunde. Der Wanderweg erweist sich allerdings als ziemlich rustikal, eigentlich handelt es sich lediglich um ein paar Markierungen über die Felsen des trockenen Flussbetts. Ich geniesse es sehr, die Landschaft mal wieder zu Fuss zu erkunden, auch wenn mich mein rechter Fuss zu einem etwa gemächlicheren Tempo zwingt. Wenigstens reicht es, um die Seniorengruppe zu überholen.




Die El Questro Gorge ist nur mit Geländefahrzeugen zu erreichen und somit ist auch die Besucheranzahl deutlich geringer. Die schmale Schlucht ist sehr grün, bewachsen mit Palmen und Farnen und die Wanderung im Schatten entlang des Baches ist eine wahre Freude.

Am Nachmittag nehmen wir die Gibb River Road durch die Kimberley in Angriff: Eine breite Schotterpiste, perfekt unterhalten, schon fast langweilig. Wenigstens hat man uns zur Unterhaltung ein paar Wasserdurchfahrten gelassen.







Auf der unglaublich staubigen Piste fahren wir bis zum spektakulärsten Sonnenuntergang dieser Reise. Der Himmel leuchtet in Gelb-, Orange- und Rottönen, als ob er brennen würde und die rote Scheibe versinkt hinter den Bäumen. Anschliessend suchen wir uns wenig abseits der Piste einen gemütlichen Lagerplatz. Ein Lagerfeuer ist schnell entfacht und wir geniessen die Ruhe, das Flackern des Feuers und den unglaublichen Sternenhimmel, wie man ihn eben nur im Busch erleben kann.

Am nächsten Morgen bremst David nach einer Kurve ziemlich abrupt. Während ich noch wie verrückt meine Bremsen strapaziere, sehe ich auch den Grund dafür: Quer über der Strasse liegt eine riesige, etwa zwei Meter lange Schwarzkopfpython, welche sich auf der Piste in der Sonne aufwärmt. Vorsichtig pirschen wir uns näher heran, um uns das Tier näher anzusehen. Anscheinend ist sie noch nicht auf Betriebstemperatur, denn sie schlängelt sich nur langsam ins Gebüsch, begleitet vom Klicken unserer Fotoapparate.




Nach dem Essen sollst du ruhn, oder tausend Dinge tun! Also genehmigen wir uns ein erfrischendes Bad im Becken der Galvans Gorge. Der Wasserfall ist zwar ziemlich glitschig, aber irgendwie schaffen wir es doch bis hinauf. Nur wie kommt man wieder runter? Ein Australier machts vor: Einfach annehmen, das Becken sei tief genug, und von den Felsen springen. Ich muss dann als erste folgen, denn die Herren sind noch etwas skeptisch. Doch da ich ohne Verletzungen wieder auftauche, wagen auch sie den Dreimetersprung.




Es gibt einen Fotogott!

Das heutige Ziel ist der Windjana Gorge Nationalpark, won man uns als Erstes 15 Dollar Eintritt pro Person abknöpft. Wir schwelgen in wehmütiger Erinnerung an die kostenlosen Nationalparks in Queensland und dem Northern Territory, bis wir feststellen, dass es neben dem Preis noch ein paar andere Unterschiede gibt: Erstens Klos mit Spühlung (was sind wir weich, nicht?), zweitens heisse Duschen und drittens einen separaten "quiet camp ground" (ruhigen Campingplatz), auf dem keine Generatoren erlaubt sind. Wie gerne zahlen wir da doch die 15 Dollar!

Am nächsten Morgen erheben wir uns früh, denn hier soll es möglich sein, Süswasserkrokodile auf den Sandbänken zu beobachten. Gespannt machen wir uns auf den Weg und fragen uns permanent, ob wir dieses Mal wohl Glück haben und die Tiere auch sehen werden. Und da hängt auch tatsächlich ein kleiner Freshy bewegungslos im Wasser. Sofort zücken wir die Kameras und schiessen los, bevor er verschwinden kann. Vielleicht ist das ja das einzige Exemplar... Wir pirschen weiter und am gegenüberliegenden Ufer tauchen plötzlich nach und nach fünf Krokodile auf. Doch damit nicht genug! Weiter hinten in der Schlucht liegen sie sogar auf unserer Seite am Ufer und lassen sich durch unsere Anwesenheit nicht aus der Ruhe bringen. Der Fotogott ist uns gnädig!








Noch ganz fasziniert von diesen Erlebnissen, fahren wir weiter zum Tunnel Creek National Park. Durch den 850 Meter langen Tunnel kann man durchs Wasser waten und sich die Stalaktiten anschauen, sofern man eine Lampe bei sich hat. Wir sind natürlich ausgerüstet und die Expedition kann beginnen. Die Höhle ist beeindruckend und man kann sich vorstellen, mit welcher Gewalt das Wasser hier in der Regenzeit durch den Tunnel schiesst: Einen ganzen Baum finden wir im Dunkeln!





Wir schwingen uns wieder auf die KTM's und düsen los, denn es liegen noch mehr als 300km bis zum nächsten Roadhouse vor uns. Die ersten 70km sind ein wahrer Genuss: Eine gewundene Schotterpiste durch sanftes Hügelland mit den letzten Baobabs am Wegesrand.

Anschliessend stehen uns zwei langweilige Stunden Asphalt bevor. Langsam kommt der australische Winter, was sich in diesen Breiten zwar noch nicht durch Kälte, wohl aber durch unverschämt kurze Tage bemerkbar macht. Um 17Uhr wird es bereits dunkel und ich gebe ziemlich Gas, um das Willare Roadhouse noch vor der Dämmerung zu erreichen. Wir klettern ziemlich steif von unseren KTMs aber beim Anblick des Tagesmenus sind alle Strapazen vergessen: Spareribs in australischen Dimensionen!

Text: Isabel

Mehr Informationen

Wikipedia: Kimberley >>>
Wikipedia: Schwarzkopfpython >>>

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