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Len Beadells Pisten
01.04.2009

Kurz nach Leonora zweigen wir auf eine Minenpiste ab, die uns mehr oder wengier direkt nach Carnegie Station bringen soll. Die anfänglich auch von Lastwagen befahrene und dementsprechend mit Wellblech versetzte Strecke ändert sich nach der ersten, grossen Mine schnell zu einer kleinen, sehr gut fahrbaren Piste durch das umliegende Farmland. Sind uns anfänglich noch vereinzelte Fahrzeuge der Minengesellschaften entgegen gekommen, sind wir nun alleine. Einzig ein paar Rindviecher können wir ab und zu am Pistenrand bei den Wasserstellen ausmachen. Spätestens beim Mitagessen stellen wir fest, dass es neben den Rindern noch andere Lebewesen gibt. Wir werden überfallen von tausenden von Fliegen, wobei 'tausenden' nicht weit weg von der Realität ist. Sie sind in den Augen, in den Ohren und der Nase und wenn man beim Essen nicht aufpasst, auch im Mund. Entnervt ziehen wir die Moskitonetze über, was das Essen natürlich auch nicht gerade erleichtert. Wie lässt sich ein Sandwich unter das Netz schleusen, ohne dass 10 Fliegen mitkommen? Schon bald sind wir deshalb wieder on the Road, die Fliegen werden aber mit modernsten Kommunikationsmitteln ihre Kollegen von unserem nächsten Stop auf uns aufmerksam machen, so dass sie schon bereit zum Angriff sind.
Am späteren Nachmittag kommen wir an einer stillgelegten Mine vorbei, die David und ich natürlich besichtigen müssen. Der ehemalige Mount Fisher wurde fast komplett abgetragen und anstelle vom Mount ist jetzt ein tiefes Loch mit einem See auf dem Grund. Die Szenerie ist wunderschön und nach ein paar Fotos, sind wir der Meinung, dass man hier eigentlich auch Baden könnte. Die Geschichten vom arsenhaltigen Wasser in den alten Goldminen von Kalgoorlie machen uns zwar etwas nachdenklich, aber dann entdecken wir drei schwarze Schwäne, die auf dem See zufrieden ihre Runden drehen. Es gibt über hunderte Kilometer kein natürliches Wasser und trotzdem haben sie sich hier einnisten können. Erklären können wir uns das nicht, aber wenn die überleben, ist das Wasser sicher nicht giftig. Wir steigen in die Grube hinab und nach ein paar zögerlichen Tests geniessen wir das erfrischende Bad im See, der mal ein Berg war.
Viel weiter kommen wir heute nicht mehr und übernachten ein paar Kilometer von Mt Fisher weg im Busch.





Am nächsten Tag erreichen wir Carnegie Station, eine grüne Oase im australischen Busch. Carnegie liegt am Start des legendären Gunbarrel Highways, der von Len Beadell in den 50er Jahren für das australische Raketen- und Atombomben-Testprogramm erstellt wurde. Heute wird der Track in erster Linie von Offrad-Enthusiasten befahren und dient in den ersten paar Kilometer dem Farmpersonal als Zubringerpiste. Wie wir vom Station Manager erfahren, ist Carnegie von sechs Personen besetzt, die eine Fläche von etwa einem Fünftel der Schweiz mit ungefähr 10'000 Rindern betreuen.




Gunbarrel Highway


Um der grossen Hitze der letzten Tage etwas zu entgehen, stehen wir frühmorgens auf, so dass wir uns bereits um halb acht auf dem Gunbarrel Highway befinden.
Die sehr gut fahrbare Piste wird allmählich schlechter, die guten Abschnitte werden immer häufiger durch sandige Abschnitte oder Auswaschungen unterbrochen. Uns stört das nicht allzu stark, denn das Tagesziel Geraldton Bore ist schon bald erreicht.
Mit Freude stellen wir fest, dass das Bohrloch 2007 mit einer Handpumpe versehen wurde und das Wasser nun nicht mehr mühsam mit einer Konservendose aus 15m Tiefe geholt werden muss. Wir geniessen das Nass an dem heissen Tag und hoffen, dass es für die nächsten Tage etwas abkühlt, denn bis Kunawarritji gibt es keine weiteren Wasserstellen mehr.
Ab dem späteren Nachmittag bauen sich rund um uns kleinere und grössere Gewitterzellen auf und gegen Abend zieht auch ein kleiner Schauer über uns hinweg. So soll es sein, bitte noch etwas mehr, Petrus!

Obwohl diese Nacht ein bischen kühler ist, schlafe ich nicht wirklich gut. Als ich auf der Matte liege, höre ich die ganze Zeit ein ziemlich lautes Rascheln über meinem Zelt. Auch wenn das Innenzelt für die diversen Viecher dicht sein sollte, halte ich es irgendwann nicht mehr aus und ich quäle mich aus dem Zelt um nachzuschauen. Auf das haben all die Moskitos da draussen vermutlich nur gewartet und starten aus allen Richtungen ihren Angriff. Der Grund des Raschelns ist schnell gefunden. Offenbar steht mein Zelt im Ameisenland und mehrere Stämme haben ihre Hauptverbindungsachsen kurzerhand über mein Zelt gelegt. Ich hätte nie gedacht, dass Ameisen so laute Geräusche machen können, auch wenn sie massiv grösser als die europäischen Versionen sind. Aber ein bekannter Feind ist viel beruhigender als ein unbekannter und so ziehe ich mich wieder zurück. Etwas später erwache ich wieder an den Geräuschen am Zelt. Dieses Mal sind es Regentropfen, danke Petrus!

Gary Highway

Wir stehen wieder vor Sonnenaufgang auf und stellen erfreut fest, dass sich der nächtliche Regen verzogen aber uns eine ziemlich dichte Wolkendecke zurückgelassen hat. Unter den Bedingungen ist das Fahren sehr angenehm und wir erreichen bald die Kreuzung des Gary Highways mit dem Gunbarrel Highway.

Beim Schild von Len Beadell an der Kreuzung muss natürlich ein Stop gemacht werden, auch wenn inzwischen nur noch ein Plagiat hier ist, nachdem das Original gestohlen wurde. Immerhin sind die Befestigungslöcher im Fass noch sichtbar, die Len, wie er in seinem Buch schreibt, mit dem Revolver hineingeschossen hat.





Nach kurzer Zeit auf dem Gary Highway merken wir, dass wir wohl seit längerer Zeit die Ersten sind, die diesen Track befahren. Die Büsche am Pistenrand ragen zum Teil so weit in die Piste hinein, das wir bald die halbe Flora und Fauna des Pistenrandes in unseren Motorrädern haben und zum Teil ist das Spinifex Gras so hoch, dass die beiden Fahrspuren fast nicht mehr sichtbar sind. Später finden wir mitten auf der Piste so hohe Termitenhügel, welche auch für den Offroader mit der krassesten Bodenfreiheit zu hoch sind.





Man merkt es der Landschaft an, dass der nächtliche Regen nicht der einzige war. Der ganze Busch gedeiht prächtig und von Wüste, wie man sie von der Sahara her kennt, ist keine Spur. Doch so schön die Landschaft ist, spätestens gegen Abend realisieren wir einen Nachteil. Wo sollen wir hier Campen? Die grösste Stelle ohne Busch reicht nicht mal für ein halbes Zelt und Spinifex ist definitiv zu stachlig um darauf zu schlafen. Schliesslich stellen wir unsere Zelte auf einer Verzweigung zu einem kleinen Nebentrack mitten auf die Piste. Vermutlich ist die Wahrscheinlichkeit im Lotto zu gewinnen grösser, als hier in der Nacht einem Auto zu begegnen...




Kunawarritji

Wir sind gestern sehr gut voran gekommen und unser heutiges Ziel Kunawarritji ist nur ein Katzensprung von 140 km entfernt. Kunawarritji ist eine kleine Aboriginal Community an der Canning Stock Route. Eine Adresse auf einem Ersatzteilpaket, das in der Community am Strassenrand liegt, beschreibt die Lage sehr anschaulich: "Kunawarritji Aboriginal Community, Well 33, Canning Stock Route" (There is not much out there, Mate)

Dank GPS-Koordinaten der Hema Desert-Maps finden wir den Shop und die Tankstelle recht schnell. Ohne wäre es nicht so einfach gewesen, denn die Tankstelle besteht nämlich aus zwei Telefonkabinen mit abgeschlossener Gittertür und einem Fass dahinter und der Shop ist eine kleine Wellbechbaracke mit einem ziemlichen Chaos darum herum.


Das Ballern von Einzylindermotoren ist hier wohl eher selten, auf jeden Fall wird der Community Manager sofort auf uns aufmerksam und begrüsst uns herzlich. Wir tanken direkt vom Fass Opal, eine spezielle Form von Benzin, dem die chemischen Bestandteile fehlen, um beim Schnüffeln einen Rausch auszulösen. Der Preis von 3.60 Dollar pro Liter haut uns erst zwar fast aus den Schuhen. Wenn man aber bedenkt, dass die Fässer aus über 1000 km Entfernung auf Pisten hingekarrt werden müssen, so geht das in Ordnung.

Wir entschliessen uns über Nacht zu bleiben, auch wenn der "Campingplatz" mit seinem rumliegenden Abfall und halb zerstörten Bungalows nicht sehr einladend wirkt. Die Hitze wird am Nachmittag nämlich wieder unmenschlich und wir haben absolut keine Lust zum Weiterfahren.
Am späteren Nachmittag gesellt sich der Community Manger für einen Schwatz zu uns. Neben ihm und seiner Frau, die den Shop führt gibt es noch zwei weitere Weisse hier: Ein Lehrer und ein Krankenpfleger, der die kleine Krankenstation führt. Der Arzt kommt alle paar Monate vorbei und wenn es einen Notfall gibt, landen die Royal Flying Doctors auf dem Airstrip 10km neben der Community, auch in der Nacht. Dann stellen sie einfach brennende Dieselfässer am Pistenrand auf. ILS ist für Weicheier...


Gegen Abend lösen wir noch ein Versprechen ein und versuchen ein Kinder-Quad zu reparieren, das nicht mehr läuft, seit sein Vergaser mit Wasser gereinigt wurde. Wir schaffen es, die Zündung wieder zum Funktionieren zu bringen, aber beim komplett kaputt reparierten Vergaser müssen wir leider Forfait geben. Der Gasschieber klemmt und die Grundposition aller Stellschrauben kennen wir natürlich auch nicht. Immerhin startet der Motor wieder und mit gezogenem Chocke bleibt er auch am Laufen, wofür uns der Besitzer glaub schon dankbar ist.

Text: Fabi

Mehr Informationen

Die Webpage der Beadell Familie (englisch) >>>
Wikipedia: Gary Highway >>>
Wikipedia: Gunbarrel Highway >>>

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