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Nach Süden auf dem Old Telegraph Track
29.05.2009
Frisch gestärkt vom Aufenthalt in Seisia machen wir uns auf den Rückweg vom nördlichsten Punkt Australiens. Für diese Strecke haben wir uns die Overland Telegraph Road vorgenommen. Die Piste wurde in den 1880er Jahren gebaut als Wartungsweg für die damals erstellte Telegraphenlinie, die bis nach Thursday Island führte. Die Telegraphenlinie wurde während dem zweiten Weltkrieg weiter ausgebaut und stand bis 1987 in Betrieb bevor sie von einer modernen Richtstrahlverbindung abgelöst wurde.

Heute wird die Strecke nur noch von 4x4-Enthusiasten befahren und gilt als DIE Strecke ans Cape York. Auf dem Camping in Seisia treffen wir dann auch einige Reisende, die den Track auf dem Weg ans Kap gemacht haben. Ihre Informationen über den Schwierigkeitsgrad unterscheiden sich jedoch sehr stark. Irgendwann geben wir das Fragen auf. Wir werden uns sowieso selber ein Bild der Lage machen und wenn es nicht geht eben umkehren und eine der vielen Umfahrungen der diversen Schlüsselstellen verwenden.

North Telegraph Track


Nach der Überquerung des Jardine Rivers mit der Fähre, die uns schon nach Norden gebracht hat, geht das Abenteuer Old Telegraph Track los. Nach einem kurzen Stück Piste kommen wir zur ersten Flussquerung. Der Bridge-Creek sollte eigentlich kein Problem sein, weil etwas seitlich der eigentlichen Durchfahrt eine Brücke aus ein paar Baumstämmen besteht, über die man ein Motorrad wenn nicht fahren, so ganz sicher schieben kann. Leider hat die "Brücke" über die Jahre ziemlich gelitten und es sind nur noch wenige Stämme vorhanden, so dass es nicht möglich ist, neben dem Motorrad zu gehen. Falls etwas schief geht, liegt dieses dann im tiefen Fluss mit steilem Ufer, so dass eine Bergung ohne Kran wohl unmöglich wäre. Also doch die Wasserdurchfahrt...


Wir beobachten einige Autos, bei denen das Wasser bei der Einfahrt in den Fluss bis über die Motorhaube läuft. Das ist definitiv zu tief für uns. Nach einigem Suchen zu Fuss finden wir aber eine geeignete Linie und wagen eine Durchfahrt. David spielt den Winkelried und fährt als erster durch den Fluss. Das Wasser ist wirklich tief und nach der Hälfte stirbt sein Motor ab. Jetzt ist schieben angesagt und mit vereinten Kräften bringen wir die KTM ans andere Ufer. Als nächstes ist Isabel an der Reihe, aber auch ihr Motorrad findet es zu feucht und will mitten drin nicht mehr. Also nochmals an die Seile und ziehen! Glücklicherweise schafft es mindestens meine Adventure aus eigener Kraft ans andere Ufer. Zwei Motoren trockenlegen reicht völlig für den Anfang.

Nachdem alle Motoren trocken sind, machen wir uns wieder auf den Weg. Die weiteren Flussquerungen sind alle nicht so tief, so dass wir alle durchkommen. Jede Überquerung muss aber zuerst zu Fuss sondiert werden, um eine möglichst seichte Stelle zu finden. Diese Stellen sind häufig dort, wo die Autos nicht durchfahren, weil dann der meist weiche Grund nicht aufgewühlt wird. So kämpfen wir uns am Rand der Furten und manchmal zwischen Bäumen ans andere Ufer.




Häufig sind die Flussufer stark erodiert und die Piste ausgewaschen, was uns auf dem Motorrad aber keinen grossen Kummer bereitet.






Gegen Abend erreichen wir die Elliot- und Twin-Falls wo wir unsere Zelte auf dem Campingplatz der Nationalparkverwaltung aufstellen. Obwohl es etwas bewölkt und dementsprechend frisch ist, lassen wir uns die Gelegenheit nicht entgehen, im Becken des Wasserfalls gefahrlos zu baden. Im feuchten Klima neben dem Wasser fühlen sich auch fleischfressende Pflanzen wohl. Wir finden am Flussufer viele dieser Pflanzen, die wir sonst nur aus Tropenhäusern oder Büchern kennen.

Zurück bei den Zelten werden wir von unserem Camp-Nachbarn mit drei Bieren überrascht: "You don't look like you can carry a cool beer with you". Ich liebe Australien!





South Telegraph Track

Am nächsten Morgen steht der südliche Teil des Old Telegraph Track an und mit dem Cockatoo Creek als erstes genau die Flussüberquerung, über die wir in Seisia am meisten Geschichten gehört haben. Die Angaben über die Wassertiefen reichten von "easy, etwa bis Oberkante Rad" zu "bis an die Windschutzscheibe". Die Realität sieht dann so aus, dass das Wasser stellenweise recht tief ist, diese Löcher aber umfahren werden können. Die Strömung ist allerdings recht stark und macht uns etwas Kopfzerbrechen.


Nicht gerade zu unserer Freude erscheint gerade jetzt ein Offroad-Tourbus und entlädt seine Ladung Touristen am Flussufer. Ein paar helfende Hände wären ja ok, aber sonst brauchen wir nicht unbedingt so viele Zuschauer. Diesmal bin ich als erster an der Reihe und mache mich auf dem Weg, wobei ich das Gefühl nicht los werde, gerade die Hauptatraktion in einem Zirkus zu sein. Mit Davids Unterstützung schaffe ich es glücklich ans andere Ufer, ohne all den schussbereiten Kameras ein Spektakel zu bieten. Leider bringen wir die anderen beiden KTM's nicht ganz trocken rüber und wieder mal ist Ziehen und Schieben angesagt. Von den helfenden Händen spüren wir herzlich wenig, die stehen alle am anderen Ufer und warten. Als der Tourguide uns auch noch auffordert, Davids KTM die Böschung hochzuschieben, damit er mit seinem Bus vorbei kann, fangen wir an, etwas an der auf unserer Reise sonst immer erlebten australischen Hilfsbereitschaft zu zweifeln. Zum Glück kommt uns gerade jetzt ein Autofahrer zu Hilfe, der den Fluss von der anderen Seite überqueren will. Mit seiner Unterstützung haben wir die Motorräder schnell vom Flussufer weggeschoben und machen uns wieder mal daran, die Motoren trocken zu legen. Der Kommentar des hilfsbereiten Autofahrers über den Tourguide würde in einer amerikanischen Fernsehsendung mit einem 'Beeb' ausgeblendet...





Die anderen Flüsse führen viel weniger Wasser und so bleibt der Cockatoo Creek glücklicherweise die einzige Schlüsselstelle des Tages. Dank dem schaffen wir doch noch unser Tagesziel und kommen mit dem Beginn der Dämmerung beim Archer River Roadhouse an. Das Roadhouse, seine Belegschaft und das feine Essen haben wir inzwischen in unser Herz geschlossen, so dass wir hier bereits zum dritten Mal unser Lager aufstellen.

Adieu Cape York

Ab Archer River wollen wir so direkt wie möglich nach Normanton um auf den Savannah Way zu gelangen. Wie wir uns aber im Musgrave Roadhouse etwas südlich von Archer River nach dem Strassenzustand erkundigen, erfahren wir, dass die Querung des Mitchell Rivers auf der Strecke so tief ist, dass sie nicht mal mit einem 4x4 machbar ist. Also wählen wir eine Strecke weiter östlich, auf welcher der Mitchell River problemlos überquert werden kann. Ab jetzt befahren wir wieder fast ausschliesslich Pisten, die den verschiedenen Stations in dem Gebiet dienen. Es scheint auf den ersten Blick, als ob das Abenteuer Cape York mit all seinen Creeks und Rivers vorbei wäre...

Nach einer schönen Strecke durch recht waldiges Farmland schlagen wir unser Camp direkt am Pistenrand an einer Kreuzung mitten im Wald auf. Da wir heute an diversen Orten gesehen haben, wie der Busch abgebrannt wird, wollen wir unsere Zelte nicht im Busch aufstellen, um dann mitten in der Nacht von einem Buschfeuer überrascht zu werden. Alles scheint perfekt, bis es während dem Zubereiten des Nachtessens zu regnen beginnt. Damit haben wir nun gar nicht gerechnet und spannen überstürzt die Plane über das Zelt von David und Isabel damit wir unser Hab und Gut darunter in Sicherheit bringen können. Das Nachtessen geniessen wir dann auch zusammengekauert unter der Plane. Irgendwie haben wir uns den Abend etwas anders vorgestellt.

Am Morgen werden wir von einem Dingo geweckt, der sich ziemlich nahe von unserem Camp fast die Seele aus dem Leib heult. Offenbar hatten wir nachts von ihm Besuch, denn neben unseren Zelten finden wir frische Dingospuren. Der Regen hat ebenfalls seine Spuren hinterlassen und die Landschaft um uns präsentiert sich in tiefem Nebel, als ob wir gerade den Herbst in der Schweiz erleben würden. Im Gegensatz zur Schweiz, ist das Schauspiel aber noch vor dem Morgenessen beendet und die Sonne präsentiert sich wieder vor stahlblauem Himmel.





Als nächstes steht auf unserem Weg nach Normanton die Überquerung des Palmer Rivers an. Da die bisherigen Flussquerungen auf der Route völlig problemlos waren, erwarten wir nichts besonderes, bis wir kurz vor dem Fluss auf die Farmer der King's Crossing Station treffen, die uns mit Tipps zur Querung nur so überhäufen. Seit dem Cape York wissen wir aber, dass man am besten selber schaut und so machen wir uns nach ein paar netten Worten auf den Weg zur Furt.

Ein erster Augenschein an der Furt sagt: Ups, recht breit. Ein erstes Durchwaten sagt: Etwa knietief, also gut machbar. Ein erstes Durchfahren von Isabel sagt dann: So extrem sandig, dass sich das Hinterrad sofort eingräbt, das Heck schon bald unter Wasser ist und der Motor abstellt. Zu dritt schieben und schieben wir die KTM unter Einsatz all unserer Kräfte ans andere Ufer. Wir realisieren erst dort, dass ein Stein in der Kette das Hinterrad unter Wasser blockiert hat und das Schieben noch etwas mühsamer machte. Die anderen beiden Adventures ziehen und schieben wir von Anfang an durch den Fluss, unterstützt durch den heulenden Motor und das wild durchdrehende Hinterrad mit spektakulärer Wasser-Sand-Fontäne. Nach 2 Stunden sind alle drei Adventures und unser Gepäck am anderen Ufer und wir am Ende unserer Kräfte. So unrecht hatte die Farmersfrau der King's Crossing Station gar nicht mit ihrem anfänglichen "you can't cross it".





Die Mitchell River Crossing kommt schon bald als nächste und sieht auf der Karte mindestens so spektakulär aus. Wir sind nun nicht mehr so sicher, ob das "Easy Crossing" des Chefs vom Musgrave Roadhouse wirklich stimmt. Aber in ein paar Kilometern werden wir es wissen...

Vor der Furt dann das grosse Aufatmen. Der Mitchell River ist an der Stelle wirklich sehr breit, aber Wasser ist da nur in der Regenzeit. Jetzt queren wir ein grosses Sandfeld und am Schluss eine kleine Brücke über ein Rinnsal, dass uns nicht mehr einschüchtern kann.

Das nächste Bushcamp ist so im Busch, dass wir es nicht wagen ein Feuer zu machen, ohne einen Brand auszulösen. Aber kein Problem, wir haben ja unseren Benzinkocher. Nachdem das Gemüse gerüstet ist, stellt sich aber heraus, dass dem Kocher ein Sturz nicht so gut bekommen ist und jetzt eine Benzinleitung leckt. Bevor es kaltes Essen gibt, kramen David und ich alle Basteltricks hervor und irgendwann funktioniert der Kocher mindestens wieder soweit, dass es für ein warmes Essen reicht. Mc Giver wäre stolz auf uns und die Entwickler vom Kocher bekämen wohl einen Herzinfarkt, wenn sie von unserer "Reperatur" wüssten.

Tags darauf treffen wir gegen Mittag in Normanton ein. Eigentlich kein Ort, um lange zu bleiben. Wir wollen die Luftfilter reinigen und am anderen Tag weiter. Als wir aber entdecken, dass der Camping hier mitten im Nirgendwo ein 25m Pool und ein Sprudelbad hat, ändern wir unseren Plan spontan und legen einen Ruhetag ein. So ein warmes Sprudelbad ist genau das, was wir nach der letzten Etape brauchen.

Text: Fabi

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