Hier in Normanton beginnt der Gulf Savannah Way, welcher meist auf Schotterpisten um den Gulf of Carpentaria bis nach Mataranka im Northern Territory führt. Die Landschaft hat sich in den letzten Tagen deutlich verändert und wir fahren jetzt tatsächlich durch eine Umgebung, welche mit der Afrikanischen Savanne vergleichbar ist: Trockenes Gras, spärlich belaubte Bäume und viel Staub auf den Strassen.




Die Piste ist sehr gut in Stand gehalten und die Flussdurchfahrten sind geteert und somit problemlos zu durchfahren. Es lohnt sich jedoch, sich umzusehen. Die Termiten sind hier sehr fleissig und überall ragen ihre Bauten in die Höhe. Sie sind teilweise bis drei oder vier Meter hoch.




Asphalt unerwünscht

Wir kommen schnell voran und haben bis zum Mittag bereits die 230 Kilometer bis nach Burktown zurückgelegt. Ordentlich staubig gönnen wir uns im Schatten eines Baumes die lokale Spezialität: Barramundi. Allerdings, wie in Australien so üblich, können wir den Fisch entweder frittiert mit Pommes Frites oder gegrillt, aber als Burger haben.
Gestärkt geht es weiter, aber zu unserer Enttäuschung ist die Queensland-Seite des Tracks in den letzten Jahren an vielen Stellen geteert worden und ein grosser Teil des Abenteuers somit dahin. Das Positive daran: Unser eigentliches Tagesziel, das Hellsgate Roadhouse an der Grenze zum Northern Territory, rückt somit in greifbare Nähe. Obwohl uns auf dem Weg dahin mehrfach versichert wird, dass es geschlossen sei, halten wir uns an der gegenteiligen Aussage von anderen Reisenden fest. Angenehmerweise ist das Roadhouse tatsächlich offen und wir können uns nebst einer kühlen Cola auch eine warme Dusche gönnen.




Die Besitzer, Bill und Lee, sind sehr sympatische Leute und ich plaudere eine ganze Weile mit ihnen. Sie erzählen mir viel über ihre Erfahrungen mit Touristen und vor allem über das Leben im Busch. Beispielsweise hätten sie eine perfekte medizinische Versorgung: Die Royal Flying Doctor's würden mit dem Flieger von Mt. Isa nur anderthalb bis zwei Stunden bis hierher benötigen. Unsereins warte schliesslich oft länger im Wartezimmer eines Notfalls und so ganz widersprechen kann ich dieser Logik nicht.
Bill fertigt mir am Ende unserer Plauderstunde noch einen handgezeichneten Plan an, denn auf seinem Land gibts Felsmalereien von Aborigenals zu sehen. Erfreut nehmen wir die Gelegenheit wahr und fahren am nächsten Morgen zur beschriebenen Stelle.




Pech!




Nach dem Überqueren der Grenze von Queensland zum Northern Territory ist die Piste ein wenig vernachlässigter. Das bedeutet, die Flussdurchfahrten sind jetzt nicht mehr geteert, sondern meist felsig, aber nicht tief. So erreichen wir Borroloola am Ende des Tages.




Auf dem Camping trefen wir Nick, einen Australier. Er fährt gerade mit seinem Fahrrad von Cairns nach Broome und das ebenfalls über den Gulf Savannah Way. Er benötigte fünf Tage für die Strecke, welche wir heute fuhren. Ich liebe das Motorradfahrerleben!


Die Strecke von Borroloola nach Roper Bar verspricht interessant zu werden. Wie interessant wird sich noch zeigen! Es gibt eine unglaubliche Menge Staub und Bulldust hier, so dass wir uns nur mühsam im Rückspiegel im Auge behalten können. Plötzlich geht es fürchterlich lange, bis Fabi wieder sichtbar wird und auch noch ohne Licht (dies ist unser Zeichen, dass jemand anhalten will). Kaum kommt er an, tönt es hinter dem Helm hervor:" Ich kann nicht weiter fahren, ich verliere meine Sitzbank!"


Das klingt nicht gut und tatsächlich kommt unter dem Tank eine unliebsame Ueberraschung zu Tage: Das Rahmenheck ist offensichtlich gebrochen. Auf der linken Seite ist die Schraube abgeschert, rechts ist die Strebe fast komplett durchgerissen. Am Pistenrand packen wir alles Werkzeug aus und die beiden erfahrenen Buschmechaniker kramen ihr ganzes technisches Verständnis und ihre Schraubererfahrung hervor, um eine Lösung zu finden. Diese ist schlussendlich praktisch und simpel: Sie nehmen die Reparartur mit einigen riesigen Kabelbindern und einem Spannset vor. Hoffenlich können wir so die restlichen 250km nach Roper Bar noch zurücklegen oder vielleicht sogar nach Darwin gelangen.




Auf der Weiterreise, zu welcher sich Fabi mutig entscheidet, führt uns der Weg an Butterfly Springs vorbei. Von Nick wissen wir, dass es hier wunderschön sein soll und tatsächlich bezaubert uns der Ort. Sogar ein Bad im klaren, kühlen Wasser gönnen wir uns nach den bisherigen Anstrengungen.




Am Abend auf dem Camping begutachtet Fabi die Reparatur vom Vormittag und bisher hält sie seinem prüfendem Blick stand. Von nun an wird das Motorrad nicht mehr so stark beansprucht werden, denn morgen liegt hauptsächlich Asphalt vor uns. Sieht so aus, als würde er es auch dieses Mal bis ins Ziel schaffen.


Noch mehr Pech

Die verbleibenden 600km bis nach Darwin wollen wir so schnell wie möglich hinter uns bringen. Also nichts wie los. Ich fahre heute zu hinterst und stelle mich auf einen gemütlichen, eher langweiligen Fahrtag mit wenig Staub ein.
20km vor Mataranka ist dann plötzlich alles anders. Wir fahren durch einen kleinen Bach, in welchem auf dem Asphalt eine teuflisch rutschige Algenschicht gewachsen ist. Ehe ich weiss, wie mir geschieht, rutsche ich mit 90km/h auf meinem Allerwertesten über den Asphalt hinter meiner KTM her. In einem Sekundenbruchteil stelle ich verblüfft fest, dass meine KTM offenbar rückwärts rutscht, denn sie schaut mich mit ihren grossen Scheinwerfern schuldbewusst an. Ich merke, wie mein Hintern langsam heiss wird und frage mich, wo hier wohl die Bremse ist. Die KTM rutscht in den Strassengraben und erzeugt mit der immer noch ordentlichen Restgeschwindigkeit eine eindrückliche Staubwolke. Das ist der Augenblick, in dem Fabi und David merken, dass hinter ihnen etwas ganz und gar nicht mehr stimmt. So schnell haben die beiden Jungs ihre Motorräder wohl noch selten gewendet. Ich bin aber schneller und schon wieder auf den Beinen, ehe sie mich erreichen.
Unglaublicherweise komme ich ohne grössere Blessuren davon. Ausser leichten Schmerzen an meiner Kehrseite und dem rechten Fuss ist alles in Ordnung und gehen kann ich auch noch. Nach einigen Schreckminuten bin ich schon wieder in der Lage, das Motorrad in Augenschein zu nehmen. Die treue Adventure hat zwar eine fast 30 Meter lange Spur auf den Asphalt gezeichnet, aber ausser einer total verbogenen Fussraste und einem ordentlich angeraspelten Tank ist ihr nichts anzusehen. Auch meine Bekleidung hat gehalten, was sie verspricht und ist nur stellenweise etwas angesengt.


Happy End

Da der Fuss bereits etwas anschwillt, entscheide ich mich dazu, die verbleibenden etwa 520km nach Darwin noch zu fahren. Wer weiss, ob mein Fuss morgen früh noch in den Stiefel passt...
Es wird bereits dunkel, wie wir in Darwin einfahren. Unsere neue Adresse ist ganz luxuriös. Wir wurden von Owen eingeladen, während unserer Zeit in der Stadt bei ihm zu wohnen. Owen ist ebenfalls ein begeisterter Motorradreisender und wurde durch unsere Reiseberichte im Advrider-Forum auf uns aufmerksam. Seine Wohnung liegt im Zentrum von Darwin (im Gegensatz zu den Campings welche mindestens 8km ausserhalb liegen) im obersten Stock eines Hochhauses und auf seiner Dachterasse steht ein Sprudelbad mit Meeressicht. Ist das nicht ein herrlicher Ort, um sich von seinen Strapazen zu erholen?




Text: Isabel


Mehr Informationen

Wikipedia: Termiten
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Wikipedia: Barramundi
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Wikipedia: Felsmalereinen der Aboriginals
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Advrider Forum (englisch)
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