Die Geschichte vom Weg nach Cairns wäre eigentlich schnell erzählt: Noch in Coober Pedy erfahren wir definitiv, was uns einige Reisende seit Dalhousie Springs schon gesagt haben. Die French Line ist aufgrund der Überflutungen nach dem starken Regen im Dezember auf der Birdsville-Seite noch für Wochen gesperrt und für uns somit keine Alternative mehr. Da ich mich sehr auf die French Line gefreut habe, schmerzt das, aber gegen das Wetter kann man nichts machen. Somit kommt Plan B zum Zug, nämlich die südliche Umfahrung des Lake Eyre über Maree und dann über den Birdsville Track nach Birdsville und von dort wie geplant weiter über McKinley, Julia Creek und die Kennedy Development Road nach Cairns. Aber so ganz einfach sollte es dann doch nicht kommen...




Lake Eyre

Lake Eyre, ein riesiger Salzsee, ist mit -15m/M der Tiefste Punkt Australiens und wenn er ganz gefüllt ist, der grösste See im Land. Auf grund des vielen Wassers, das uns zum Umweg über den Birdsville Track zwingt, soll der Lake Eyre schon sehr gut gefüllt sein und es gibt viele Gerüchte, dass er sich nach vielen Jahren wieder ganz füllen wird. Leider ist es noch nicht möglich, auf dem Landweg bis ans Ufer zu kommen, aber wir haben vor in William Creek oder Maree, einen Rundflug über den See zu buchen.




Von Coober Pedy fahren wir also statt nördlich nach Dalhousie weiter Richtung Süden über William Creek nach Maree. In William Creek merken wir schnell, das viele Leute den Lake Eyre sehen wollen. Das sonst ziemlich einsame Roadhouse wird von Touristen nur so überschwemmt und auf der Piste herscht Hochbetrieb mit Scenic Flights und dementsprechend sind auch die Preise für einen Rundflug. Über 200 Dollar pro Person für einen Rundflug zum See sind uns dann definitiv zu viel. Wir lassen William Creek mit all seinen Touristen schnell hinter uns und machen uns auf dem Oodnadatta Track entlang des Old Ghan wieder auf den Weg. In Maree ist das Bild ähnlich und so lassen wir das mit dem Rundflug.




In Maree verlassen wir auch endgültig die Linie vom Old Ghan, nachdem wir die Diesellocks bestaunt haben, die hier ihre wohl letzte Ruhestätte gefunden haben. Später treffen wir im warmen Thermalpool vom Mungerannie Roadhouse am Birdsville Track zufällig ein paar Piloten, die uns erklären, dass auf ihrem Heimflugplatz ein stündiger Rundflug etwa 100 Dollar kostet. Aber so ist halt das Gesetz von Angebot und Nachfrage.




Crocodile Dundee und das Kettenblatt

Was hat Crocodile Dundee mit einem Kettenblatt zu tun? Nachdem wir ohne Probleme in Birdsville angekommen sind, wollen wir am Morgen weiter nach McKinley. McKinley ist ein kleines Kaff am Rande des Outbacks. Eigentlich gäbe es keinen Grund dort zu halten, wenn da nicht das Walkabout Creek Hotel wäre, wo die Pup-Szenen von Crocodile Dundee gedreht wurden. Das darf man sich natürlich nicht entgehen lassen. Als wir uns am Morgen bereit machen, entdeckt David, dass an meinem Kettenblatt ein ganzes Segment mit etwa 6 Zähnen fehlt. Jetzt ist guter Rat teuer, denn Birdsville ist nicht gerade eine Gross-Stadt. Neben einer Tankstelle mit Werkstatt und Lebensmittelladen, einem Camping und einem Hotel gibt es nicht mehr viel. Der Mechaniker der Tankstelle ist zwar sehr hilfsbereit, hat aber nur Autoteile und ein Ersatzteil einfliegen lassen dauert mindestens 5 Tage, da noch das Wochenende dazwischen ist. Der nächste Händler gemäss KTM-Websseite ist in Mt. Isa und somit etwa 700km weit weg. Er erklärt uns aber am Telefon, dass er schon lange keine KTM-Vertretung mehr hat und das Kettenblatt auch einfliegen lassen muss. Der nächste Händler ist dann erst in Cairns und das sind noch weit über 1000 km.
Nach etwas hin und her entscheiden wir uns weiter zu fahren. Ich bin sicher schon einen Tag mit dem Kettebblatt in dem Zustand gefahren und mit etwas Glück hält es ja bis Cairns. Die Zivilisation wird langsam wieder dichter und alle 200 bis 300 km kommt ein Ort oder mindestens ein Roadhouse. Soweit können wir mein Motorrad in der Not auch abschleppen und dann lassen wir das Ersatzteil dorthin einfliegen. Warten müssen wir dann sowieso. So machen wir uns also mit einem angeschlagenen Kettenblatt und etwas Verspätung auf zu Crocodile Dundee.




In McKinley angekommen fehlen am Kettenrad an einer anderen Stelle zwar weitere drei Zähne, aber es dreht noch ohne dass die Kette zu stark schwingt. Das Walkabout Creek Hotel ist hingegen eher mässig spannend. Von aussen kann man eine Gemeinsamkeit zum Film nur erahnen und im Innern erinnert ausser ein paar aufgehängten Fotos nichts mehr an Mik Dundee. Da auch kein Mittagessen serviert wird, sind wir schon bald wieder on the Road.




Auf nach Cairns

Nach McKinley erreichen wir in Julia Creek schon bald die Asphaltstrasse, ob das jetzt aber besser oder schlechter für das Kettenblatt ist, weiss ich auch nicht. Abschleppen ginge aber sicher einfacher. Trotzdem entscheiden wir uns am Abend in Richmond am anderen Tag via die Kennedy Development Road nach Norden zu fahren. Das ist zwar eine Gravel Road, müsste aber eigenltich gut ausgebaut sein und führt durch ein wunderschönes Nationalparkgebiet.


Von der Aussicht werden wir dann auch nicht enttäuscht. Nach dem kargen Outback sind wir fast geblendet vom Grün, dass uns hier erwartet. Durch Wälder steigt die Piste langsam auf 950m und wir ueberqueren so die Great Dividing Range. Im Laufe der Jahrtausende haben sich die Flüsse tiefe Schluchten in den Stein gegraben, die sich auf Aussichtsplatformen ausgiebig bestaunen lassen. Die Piste hingegen hält nicht ganz was sie verspricht, sie ist stellenweise ziemlich rauh für eine Gravel Road und am Abend fehlt ein weiteres Segment an meinem Kettenrad. Zwischen den drei fehlenden Segmenten halten ein paar Zähne tapfer die Stellung. Wenn das nur gut geht...


Den letzten Fahrtag bis nach Carins unterbrechen wir zur Mittagszeit in Mt. Garnet. Zufällig stolpern wir hier über das jährliche Rodeo mit Bronco Riding, Bull Riding, Rope and Tie und Steer Wrestling.




Wir geniessen als Rodeo-Neulinge die tolle Atmosphäre mitten in den echten Cowboys and -girls und schaffen es sogar als Bild in die lokale Tageszeitung.




| Am Nachmittag nehmen wir die letzten hundert Kilomenter bis Cairns unter die Räder. Die Landschaft wird immer tropischer, zum Teil könnte man meinen, in der Schweiz unterwegs zu sein - es gibt sogar Holenstein Kühe - wenn in den Wäldern nicht Palmen und mehr als mannsgrosse Farnstauden wachsen würden. Auf dem Weg machen wir noch zwei Abstecher zu sehenswerten Wasserfällen, die idyllisch mitten im tropischen Wald liegen. Der Zustand vom Kettenritzel hat sich nicht mehr verändert. Vielleicht hällt es ja wirklich bis Cairns...  |



Text: Fabi


Mehr Informationen

Wikipedia: Lake Eyre
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Australians Bushmen's Campdraft and Rodeo Association: Rodeo Grundlagen (englisch)
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Carins Post: Wir am Mt Garnet Rodeo
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