Wir habens geschafft! Trotz richtig widerlichem Wetter mit Regen und Nebel, Kühen auf der Fahrbahn und schön kurviger Strasse hat Fabis Kettenrad mehr tot als lebendig überlebt.
Kaum sind die Ersatzteile bereit, machen wir auf dem Camping den dringend nötigen Service an unseren Motorrädern. KTM empfiehlt zwar einen Ölwechsel alle 5'000km, wir haben jedoch seit Perth schon 7'700km gemacht. Das Ölablassen gestaltet sich zuerst etwas schwieriger als gedacht, da an jedem Motorrad eine andere Schraube nicht richtig will, doch schlussendlich ist auch das geschafft. Fabis Hinterrad erstrahlt in neuem Glanz mit neuem Kettenrad und neuem Michelin Desert.




The Rainforests of Kuranda

Angefangen hat es damit, dass wir den Regenwald sehen wollen. Es regnet jedoch täglich mehrmals, aber uns wird gesagt, dass der Regenwlad erst bei Regen so richtig zum Leben erwacht. Also entscheiden wir uns dazu, den Ausflug nach Kuranda doch heute zu unternehmen. Das Städtchen liegt etwa 35km von Cairns entfernt. Es wurde von Goldgräbern gegründet und spielte später in der Holzindustrie eine wichtige Rolle. Dann wurde es immer mehr ein Ausflugsziel wegen seiner schönen Umgebung. In den 60-er Jahren wurde das Dorf von Hippies entdeckt, welche in Marktbuden lokale Produkte und handgearbeitete Waren verkauften. Das Städtchen erlebte einen grossen Aufschwung und ist noch heute auch für diese Märkte bekannt. Man kann Kuranda nebst der Strasse auch mit einer Gondelbahn oder dem Zug erreichen, welche beide direkt durch den Regenwald führen, was allein schon ein Erlebnis für sich ist.



Wir nehmen für den Weg nach oben die Gondelbahn. Die Aussicht auf die Bäume unter uns ist fantastisch. Die Weitsicht lässt jedoch zu wünschen übrig und wird von dichtem Nebel und Wolken begrenzt. Auf der Strecke gibt es zwei Zwischenstationen, bei welchen man jeweils einen kleinen Spaziergang durch den Dschungel machen kann. Dort ist man auf Regen bestens vorbereitet, denn es stehen überall Schirme bereit. Es regnet in Strömen, doch von dem lebenden Wald bei Regen, sehen wir leider ausser ein paar Busch-Truthähnen überhaupt nichts. Der Wald selbst ist jedoch sehr faszinierend mit seinen hohen, mit anderen Pflanzen überwachsenen Bäumen. Wir wandern auf den extra angelegten Stegen hindurch und bestaunen riesige Blätter und schöne Blüten. Ohne diese Wege wäre ein Durchkommen kaum möglich.



An den gewaltigen Barron Falls haben wir doch tatsächlich etwas Sonne. Allerdings ist der Wasserfall eher ein Fällchen, denn die Fotos aus dem Prospekt wurden natürlich in der Regenzeit gemacht. Der Rheinfall wäre zur Zeit definitiv beeindruckender.
In Kuranda wollen wir in der Rainforest Station noch eine Tour mit einem Army Duck machen. Der Army Duck (offiziell DUKW) ist ein Amphibienfahrzeug, welches im zweiten Weltkrieg von den Aliierten als Landungsfahrzeug eingesetzt wurde. Heute können die Touristen darin durch den Urwald fahren, auf dem Land- und Wasserweg. Dies lassen wir uns natürlich nicht entgehen und unterwegs erfahren wir viel Wissenswertes über die hiesige Pflanzenwelt. Nach einer guten Stunde ist das Erlebnis leider schon vorbei und wir machen uns zu Fuss auf in Richtung Bahnhof. Der Weg führt auch wieder mitten durch den Dschungel und wir machen viele Fotos - so viele, dass wir uns am Ende sogar noch beeilen müssen, damit wir den Zug nicht verpassen. Und natürlich werden wir auch hier wieder verregnet.



Die Zugfahrt führt uns durch eine wunderschöne Szenerie, auch mit einem Zwischenstop am Barron Wasserfall, damit man das Spektakel auch von dieser Seite bewundern kann. Und danach geht's durch 15 Tunnel hinunter ins Tal und zurück nach Cairns.



Da wir vom Regenwald noch nicht genug haben, gehen wir auch noch in den Botanischen Garten. Hier wird eine grosse Anzahl tropischer Pflanzen gezeigt, auch aus andern Ländern. Ich bin völlig fasziniert von der Vielfalt der Farben und Formen. Leider gefällt es den Moskitos hier ebenfalls sehr gut und ohne Uebertreibung: Sie fressen uns auf! Das Informationszentrum hat zwar geschlossen, aber man weiss genau, was die Besucher hier wollen: Hinter dem Shop auf einem Fensterbrett stehen sechs Flaschen mit Mückenspray bereit, welchen wir auch grosszügig benutzen. Und plötzlich ist das Vergnügen wieder zurück.



Wie man einen Tauchgang geniesst

Eigentlich sollte ich es langsam wissen: Ich gehöre auf eine Enduro und nicht auf ein Boot. Weidwund sitze ich zusammen mit einigen anderen seekranken Landratten auf dem Heck des schnellen Katamarans in der Kälte des Regens und warte, bis wir endlich irgendwo im Outer Reef anhalten. Nach anderthalb Stunden hört die Folter kurz vor der Kapitulation meines Magens auf und ich bereite mich auf den zweiten "Intro Dive" meines Lebens vor. Ein Intro Dive ist eine Art Schnuppertauchgang für Leute wie mich, die einmal ein Riff aus der Nähe sehen wollen, aber vom Tauchen ungefähr gleich viel verstehen, wie John Rambo von friedlicher Problemlösung. Wir sitzen in einer Reihe im seichten Wasser des Tauchdecks, während uns die Crew haufenweise Ausrüstung umschnallt. Wenigstens ist das Meer warm.
Nach einem aufmunternden Schulterklapps von Mike lasse ich mich wie angewiesen vorwärts ins Wasser plumpsen. Mike macht eine aufmunternde Geste und versenkt mich durch Ablassen von etwas Luft aus meiner Weste. In der unglaublichen Tiefe von etwa einem halben Meter wartet unser Tourguide Lance auf uns und will nun zwei einfache Übungen mit uns machen: Erstens mit der Nase eingedrungenes Wasser aus der Tauchermaske auszublasen und zweitens das Mundstück aus dem Mund zu nehmen und wieder korrekt einzuführen. Wie schon bei meinem letzten Intro Dive habe ich die Hosen gestrichen voll und ich brauche für diese an sich einfachen Übungen etwas länger. Anschliessend nimmt uns Lance beim Arm und los gehts in eine sagenhafte Welt voller bunter Fische, Muscheln und Korallen in allen Farben und Formen.



Nach einer Weile hällt Lance die Zeit für gekommen, uns alleine schwimmen zu lassen und lässt uns los. Irgendwie scheine ich und meine Ausrüstung nicht so gut austariert zu sein, jedenfalls beginne ich sofort aufzusteigen. Lance hat nun also alle Hände voll zu tun, unten im Riff die Gruppe zusammenzuhalten und mir gleichzeitig knapp unter der Oberfläche mehr Blei an den Gürtel zu schnallen. Jetzt sinke ich wie ein Stein bis so knapp über die Korallen, dass ich mich kaum traue mit den Flossen zu paddeln, um die empfindlichen Lebewesen nicht zu beschädigen. Lance führt uns nun durch diese phantastische Landschaft, zeigt uns Seegurken, riesige Muscheln und Fische, wie wir sie bisher nur in Trickfilmen gesehen haben. Endlich beginne ich den Tauchgang so richtig zu geniessen!



Nach dem Mittagessen wird das Boot zu einem anderen Riff manövriert und Fabi und Isabel bereiten sich auf einen zweiten Tauchgang vor. Ich verzichte grosszügig: Schliesslich muss ja auch jemand ein paar Fotos machen. Ich ziehe also mit Schnorchel, Flossen und Unterwasser-Wegwerfkamera los. Die Perspektive ist eine ganz andere: Während die Taucher die unteren Stellen des Riffs betrachten, kann man sich mit dem Schnorchel über die seichtesten Stellen der Korallen treiben lassen, manchmal so knapp darüber, dass man die Beine unwillkürlich steif wie ein Brett ausstreckt, um sich nicht die Knie anzustossen. Die Fische scheinen sich nicht im Geringsten an uns zu stören, einige zeigen sogar grosse Neugier und kommen bis auf wenige Zentimeter heran. Was für eine unglaubliche Welt!




Text: Isabel und David


Mehr Informationen

Wikipedia: Barron Falls (englisch)
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Wikipedia: DUKW (englisch)
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Wikipedia: Great Barrier Reef
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