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Timbain 2010
Mit dem Swiss KTM Adventure Club nach Tunesien
Auch dieses Jahr habe ich mich wieder gerne als Tourguide für die Tunesientour des Swiss KTM Adventure Clubs zur Verfügung gestellt. Als Werni am Karfreitagmorgen vor meine Garage rollt, traue ich meinen Augen kaum: Der Anhänger ist von einem dicken Eispanzer bedeckt. Beim zweiten Verladepunkt in Rotkreuz gesellt sich dichter Nebel dazu und irgendwie stört es niemanden, dass wir die Strecke bis Genua im Auto zurücklegen.

Tags darauf schiffen wir auf der Carthage ein, die uns in 24 Stunden nach Tunesien bringen wird. Auf dem Fahrzeugdeck werden wir von der Schiffsbesatzung mit einer neuen Technik der Motorradvertäuung vertraut gemacht: Aufhängen an der Decke!




Am ersten Fahrtag verführt uns eine nicht ausgezogene Strasse auf der Michelinkarte zu einem kleinen Umweg über ein Hochplateau. Die Strecke erweist sich allerdings als ziemlich rustikal und wenig später befindet sich unsere Gruppe in einem trockenen Bachbett. Vier Motorradfahrer bedeuten vier phantasievolle Wege, um aus dem Bachbett zurück auf die Piste zu kommen.




Auf dem Plateau wird die Piste wieder einfacher, so dass wir ziemlich flott vorankommen. Auf dem Col de Haddège ist es dann trotzdem Zeit, das Lager für die Nacht aufzuschlagen.



Möge die Macht mir Dir sein

Heute stehen 140km Fahren nach Roadbook auf dem Plan. Die Strecke führt zuerst durch ein breites Hochtal, folgt später querfeldein einer Hochspannungsleitung, überquert einen Salzsee und führt letztendlich durch die Dünen zu den Kulissen des ersten Star Wars Films.

Die letzten paar hundert Meter des Abschnitts entlang der Hochspannungsleitung führt durch den Seitenarm eines Salzsees und wir sind nicht ganz sicher, ob die Strecke befahrbar ist. Vor Ort bewahrheiten sich die Befürchtungen: Offenbar ist kürzlich Regen gefallen - obwohl wir deutliche Spuren sehen, haben wir keine Chance. Nach der Aktion sind die KTMs mit einer ordentlichen Fango-Packung versehen und wir um eine Erfahrung reicher.




Im Hinblick auf den weiteren Streckenverlauf durch den Salzsee breche ich mit Werni und Fabi zu einer Rekognoszierungstour auf, während die anderen in Tozeur das Lager aufschlagen. Wir finden die Piste durch den Salzsee knochentrocken vor und der harte Untergrund verleitet zu hohen Geschwindigkeiten - kein Wunder werden auf Salzseen Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt. Auf den letzten Kilometren finden wir aber doch noch zielsicher einen Flecken mit etwas tieferem Boden. Wir schieben uns gegenseitig raus und suchen nach einer fahrbaren Alternative. Wir finden eine Art Damm und zeichnen ihn pflichtbewusst ins Roadbook ein.

Offensichtlich lassen unsere Roadbookzeichnungskünste zu wünschen übrig: Marcel und Steffen ziehen zielsicher am Damm vorbei, aber dank der patentierten "Hüpftechnik" erreichen beide trockenen Stiefels höhere Lagen. Von nun an führt das Roadbook durch eine abwechslungsreiche Landschaft, die Navigation ist dank unzähliger Spuren abwechslungsreich und das Gelände zeitweise anspruchsvoll. Am Ende navigieren wir nur nach Kompasskurs durch die Dünen, das heisst, wir versuchen es. Wie wir feststellen müssen, lassen sich Dünen selten da queren, wo der Kompass hinzeigt, vor allem wenn man sie auf der steilen Seite anfahren muss. Wir schummeln ein bisschen mit dem GPS und erreichen so trotzdem die Star Wars Kulissen.






Wir schiessen ein paar Fotos und machen uns dann auf den Weg nach Douz. Wir fahren wie immer in zwei Gruppen und die jeweiligen Navigatoren haben die Aufgabe, sich selbst einen Weg zu suchen - "plus ou moins" Richtung Tozeur. Beide Gruppen finden nette kleine Pisten, oder auch nicht - jedenfalls gibt es am Abend genug zu erzählen.





In Douz ist irgendwie immer Markt, und ich schaffe es auch diesmal, auf dem Weg zum Camping zielsicher mitten hineinzufahren. Inmitten von Gemüsehändlern, Kamelmetzgern, Eselkarren und Mofas bahnen wir uns also einen Weg durch die Menge.

Wir platzieren unser Material und brechen dann zu Fuss auf, um auf dem Markt unsere Vorräte aufzufüllen.




Magnifique Timbaine

Das nächste Ziel ist der Timbaine, ein Tafelberg am nördlichen Ende des Grand Erg Oriental. Ibrahim vom Camping Desert Club warnt uns vor dem aussergewöhnlich weichen Sand, der jetzt aufgrund des vielen Windes in den letzten Tagen liegen würde. Auf den ersten Kilometern bis zum Nationalpark Jebel spüren wir davon zwar noch nicht viel, aber wir sollen noch herausfinden, wie Recht er damit hat.



Hinter dem Nationalpark biegen wir auf ein Bündel Spuren ab, welche uns zum Timbain führen sollen. Wir kommen gut voran, die ersten kleinen Sanddünen stellen kaum ein Hinderniss dar und wir werden langsam übermütig: Wieso sich an die Spuren halten, wenn man sich auch einen direkteren Weg zum nächsten GPS-Punkt suchen kann? Kurz darauf stehen wir am Fuss eines ziemlich grossen Dünengürtels, der Sand ist wirklich wie Puderzucker (so was habe ich bisher noch nie erlebt) und wir entscheiden uns fürs umkehren. Nun sieht die Natur aber die Zeit gekommen, mit uns eine altbekannte Lektion zu repetieren: Wenn man Dünen leichtfüssig in eine Richtung überqueren kann, heisst das noch lange nicht, dass es zurück ebenso einfach ist. Alle acht KTMs wieder in die Nähe der Spuren zu bringen, ist also ein hartes Stück Arbeit und wir haben uns unser Mittagessen redlich verdient.

Zurück auf den Spuren geht es dann wesentlich einfacher und kaum zwei Stunden später stehen wir am Fusse des Timbain.








Frisch ausgeschlafen nehmen wir den Rückweg in Angriff. Diesmal sind wir weiser, verzichten auf Experimente jeder Art und folgen den Spuren.







Unser Tagesziel ist die Oase Ksar Ghilane, wo wir einen Ruhetag der Körper- und Luftfilterpflege widmen.




Zurück nach Norden

Das Dahar verdient den Namen Gebirge zwar kaum, trotzdem lohnt sich die Fahrt in jedem Fall: Kurvige Schotterpisten, abenteuerliche Strassenkonstruktionen, tiefe Schluchten und pittoreske Bergoasen bieten dem Auge jede Menge Abwechslung.







Auf dem Rückweg nach Tunis liegen die römischen Ruinen von Dougga praktisch am Weg. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen und stehen kurz darauf inmitten von jahrtausendealten Tempelanlagen, Themen, Zisternen und einem eindrücklichen Amphitheater. Vor meinem inneren Auge sehe ich sie bei Tische liegen: Bei gefüllten Giraffenhälsen und in Auerochsfett gebratenen Schweinskaldaunen (mit Honig!).




Nach diesem historischen Einschub stehen uns die letzten Kilometer in Tunesien bevor. Wir entscheiden uns für eine kleine Landstrasse, welche uns mit kaum Verkehr über Wiesen und Felder an die Küste bringt. Ein letztes Schaf vom Grill und es ist Zeit, sich von Tunesien zu verabschieden.




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