Marc und ich verbringen eine ganz andere Nacht bei der jordanischen Familie, wenn man das mit der armen Susi vergleicht. Wir als Männer werden echt fantastisch behandelt. Gleich als wir ankommen fühlen wir uns fast wie Stars, wir bekommen Tee und Wasser um uns zu waschen. Wir sitzen in einer separaten VIP Men’s Lounge, ein riesiger Raum mit unendlich vielen Kissen und Portraits von King Hussain. Wir verbringen die ganze Nacht mit Gesprächen über den muslimischen Glauben, Jordanien und Unterschiede unserer Kulturen. Die ganze Kommunikation beruht auf einer Mixtur aus gebrochenem Englisch und Zeichensprache. Die Gastfreundschaft und Warmherzigkeit hier ist unglaublich, so etwas in Europa zu finden, speziell bei Fremden, scheint fast unmöglich zu sein. Obwohl ich höchsten Respekt vor ihrer Kultur und Traditionen habe, war es schwer für mich, Susi ausgeschlossen von dem äußerst interessanten Abend zu sehen. Herzlich umsorgt und nach einem ausgiebigen Essen fallen wir nach diesem anstrengenden Tag bzw. Nacht in einen tiefen Schlaf.
In der Früh werden wir von der leicht frustrierten Susi aufgeweckt, weil sie nicht länger bleiben will. Die Gastfreundschaft war unglaublich, aber die Verständigungsschwierigkeiten (die uns immer noch begleiten) sind auf die Dauer recht ermüdend und die Situation im allgemeinen wirkt etwas klaustrophobisch. Nach dem Frühstück füllen sie unsere Trinkbeutel mit Eiswasser, decken unsere Motorräder ab, die sie in der Nacht liebevoll mit Kameldecken bedeckt haben. Jetzt wird es Zeit wieder auf die Straße zu kommen, wir werden sogar noch bis zur Hauptstraße (ca 20km) eskortiert. Nach vielen Thank yous und Good byes sind wir bereit für Jordanien!




Wir haben einen recht normalen Tag, fahren durch die Hügel von Nordjordanien, betrachten (nur von außen) eine alte Burg/Tempel in Jesha. Das Einzige das nicht ganz so normal ist, ist die Tendenz der Kinder Steine nach uns zu werfen!! Aus Sicherheitsgründen beschließen wir neben Beduinen zu campieren. Der Vater kommt nach einigen Stunden zu uns herüber und trinkt mit uns Tee, local Tee, soll heißen mehr Zucker als Tee. Es handelt sich um eines dieser Gespräche, wo unser Gesprächspartner nicht versucht, seine natürliche Sprechweise anzupassen, sondern einfach arabisch drauf losspricht. Unsere Versuche, mit Susis Bilderbuch und Zeichensprache weiterzukommen, scheitert kläglich also beschränken wir und auf brabbeln und gegenseitiges Anlächeln, viel einfacher!





Das tote Meer

Am nächsten Morgen fahren wir zum toten Meer und suchen nach einer billigen Unterkunft. Nach kurzer Zeit finden wir heraus dass so etwas zu finden unmöglich ist, speziell weil hier nur 5-Stern Hotels sind und alle wegen der WORLD ECONOMIC CONFERENCE ausgebucht sind. Wir fahren die Küste entlang und hoffen, den etwas preiswerteren Campingplatz zu finden von dem wir gelesen haben. Wir finden ihn, es ist nicht günstig, aber auch nicht ausgebucht und wir sind am toten Meer. Wir verbringen eine Nacht in unserem kleinen Chalet. Jedes mal, wenn wir im toten Meer „schwimmen“, können wir nicht aufhören zu lachen. Dieses Gefühl ist wirklich komisch und einzigartig. Wir finden schnell heraus, dass ein Salzgehalt von 30% einige große Probleme mit sich bringt, zum Beispiel, wie abartig ein einziger Tropfen davon in den Augen brennt. Es schmeckt absolut ekelhaft, kleine Kratzer brennen höllisch und furzen ist wirklich nicht zu empfehlen! Direkt neben unseren Chalets befindet sich ein toller Canyon namens Wadi Punjab, oder so ähnlich. Wir haben das erst dort herausgefunden, da wir uns so sehr auf Syrien konzentriert haben, dass wir uns gar nicht auf Jordanien vorbereitet haben. Wir zahlen 15 jordanische Dinar (1 JD = ca 1 Euro) Eintritt, bekommen ein paar Ratschläge und uns wird nahegelegt doch einen Guide zu nehmen, was wir natürlich nicht tun, bekommen aber trotzdem Schwimmwesten und können uns jetzt in den Canyon wagen. Durch den Canyon fließt einer der Flüsse die im 300m unter Seehöhe gelegenem toten Meer münden. Die Wände des Canyons sind bis 200m hoch, das Wasser des Flusses ist angenehm warm. Wir waten flussaufwärts durch kleine Stromschnellen, bei größeren ziehen wir uns an Seilen hoch. Flussabwärts ist auch wirklich spaßig, wird lassen uns Stromschnellen hinunterspülen, manche sogar öfters, so verbringen wir einige Stunden. Beim 5 minütigen Weg zurück zu unseren Motorrädern ist unsere Kleidung fast schon wieder trocken. Wir sind wieder glücklich als wir auf den Motorrädern sitzen und der Fahrtwind, der durch unsere Jacken bläst, ein wenig vom Feuer der Mittagssonne nimmt.





Petra und Wadi Rum

Unser nächstes Ziel ist das berühmte Petra, die in Wüstenfelsen geschlagene faszinierende Stadt. Hier verbringen hier vier Tage., Worte können nicht beschreiben, wie einzigartig uns schön dieses riesige Areal ist. Der Eintritt in Petra ist unverschämt teuer (1 Tag 50 Euro, 2 Tage 55 Euro, 3 Tage 60 Euro). In Anbetracht unserer finanziellen Lage greifen wir zu nicht ganz legalen Mitteln, kaufen uns ein 3 Tages Ticket und verkaufen es dann am nächsten Tag um 30 Euro weiter. Keiner merkt es, also alles gut. Ich glaube Susi und ich haben Petra um einiges mehr genossen als der arme Marc, der mit fast 40°C Fieber 3 Tage in unserem billigen, feuchten Hotel verbracht hat, ohne dabei verrückt zu werden. Von Petra fahren wir 150km Richtung Süden um in die Wüste von Wadi Rum (40km östlich vom Highway) zu gelangen. Wir haben keine Eile, genießen die leeren Straßen und die Wüstenlandschaft auf unserem Weg. Die riesigen Sandsteingebilde von Wadi Rum sind ein Mecca für Kletterer und Paraglider. Unsere Motorräder durften wir nur bis Wadi Rum Village mit uns nehmen, da das ganze Gebiet unter Naturschutz steht. Am Weg dort hin machen wir unsere ersten Wüstensanderfahrungen, wir können natürlich nicht wiederstehen und fahren von der Straße in den Sand. Nach kürzester Zeit stellen wir fest, dass unsere vollbepackten Motorräder mit den straßentauglichen und stark aufgepumpten Reifen dem Sand noch nicht gewachsen sind. Im Dorf angekommen, schlagen wir unsere Zelte auf, wobei wir 2 Euro pro Person zahlen. Gleich darauf beginnen wir mit unseren harten Verhandlungen um den besten Preis für unseren 2tägigen Wüstentrip. Letztendlich bekommen wir einen recht guten Preis, bei einem Freund unseres Hotelbesitzers von Petra. Wir fahren in einem 30 Jahre alten Landcruiser durch die Wüste und besuchen eine natürliche Quelle, enge Canyons, Felsbrücken, Sanddünen und Lawrence House. Die Nacht verbringen wir in einem Wüstencamp östlich einer riesigen Wüstenebene, wo wir einen atemberaubenden Sonnenuntergang sehen können. So atemberaubend wie der Sonnenuntergang ist auch unser Grillhühnchen. Auf traditionelle Weise im Sandofen von unserem einzigartigen Koch zubereitet. Noch glücklicher bin ich, als unsere holländischen Freunde ein paar Dosenbier hervorzaubern, mein ersten Bier seit über einem Monat.





