Es ist 5 Uhr 30 am Morgen und der Muezin ruft zum Morgengebet. Normalerweise höre ich das nicht wirklich und schlafe weiter. Heute morgen ist das anders und ich bin hell wach. Die Nervosität lässt sich einfach nicht leugnen. Um 8 Uhr wollen wir am Grenzübergang zu Syrien sein. Es ist das erste mal, dass wir zu dritt fahren und als wir alle auf einmal unsere Motoren starten, ist es ein echt gutes Gefühl!
Die Grenzformalitäten (Hauptgrenze bei Reyhanli) brauchen ihre Zeit, aber nach 2 1/2h und 40$ ärmer schaffen wir es nach Syrien. Schlechte Straßen, ein ausgebranntes Auto und Männer mit Maschinengewehren am Straßenrand bilden unser herzliches Willkommen. Jetzt wissen wir, wir sind in Syrien!
Aber die Straßen werden schnell besser und wir fühlen uns absolut nicht unsicher. Die Reaktion unserer Umgebung ist plötzlich wieder ähnlich zu Albanien, die Leute lächeln winken und freuen sich uns auf unseren Motorrädern zu sehen. Das macht unsere geplante 500km Tagesetappe gleich viel leichter.
Wir passieren einige Checkpoints wo bewaffnete Soldaten uns meistens gleich durchwinken oder sich kurz erkundigen, wohin wir fahren.
Kurz vor Homs stören wir an einem kleinen Imbiss und bekommen den besten Hommus, den wir je gegessen haben. Die Besitzer sind total nett und freuen sich, dass wir da sind. Eher eine Seltenheit in letzter Zeit.



Das Aufsuchen von Tankstellen ist zum ersten Mal seit unserem Start eine richtig nette Angelegenheit. Die Benzin preise sind extrem billig, ca 50 cent pro Liter. Happy days!
Nach 500km erreichen wir um 17.00 die Grenze zu Jordanien. Es dauert eine halbe Ewigkeit bis wir Syrien verlassen können. Sie füllen ein paar Formulare aus, stempeln unser Carnet de passage, wir kommen zum letzten Checkpoint und ... werden nicht durch gelassen, irgendein Stempel fehlt. Also drehen wir wieder um. Wir gehen in ein Gebäude, dann in ein anderes, wir zahlen weitere 10$, was uns endlich unseren Stempel (natürlich wieder in einem anderen Gebäude) ermöglicht. Checkpoint ok, wir freuen uns auf die Grenzprozedur an der jordanischen Seite.
Die jordanischen Beamten sind sehr freundlich, es ist aber nicht zu leugnen dass sie an weiblichen Reisenden, spricht an mir, mehr Interesse haben als an Marc und Tam. Ich werde von lächelnden, aber nicht aufdringlichen Beamten umzingelt, ein Beamter erbarmt sich und kontrolliert auch die Papiere der Herrn. Alles in Ordnung und wir beginnen wieder von Neuem und laufen von einem Gebäude zum anderen. 27€ hier, 25 da, das Visum nochmal 20... Das Erledigen der Grenzformalitäten ist wie ein Computerspiel wo man nicht weiß wohin man als nächstes muss oder was man überhaupt machen muss, sammle einen Diamanten, dann ein Schwert und 10xp bevor du das nächste Quest bekommst. Kein Problem wenn man nicht versteht was ich hier zu erklären versuche.
Es ist jetzt wirklich dunkel und wir müssen ein Hotel suchen, einnes soll ca 40km weit weg sein, also fahren wir in diese Richtung. Im Dunkeln fahren gehört nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, weil ich nicht erkennen kann ob die Lichter im Rückspiegel die von Marc und Tam sind, oder von einem Auto. Endlich sind wir auf einer kleinen Straße wo wir nur mehr zu dritt sind. Ich bin neugierig wie die Umgebung im Tageslicht aussieht, derzeit sehe ich nur meinen Lichtkegel, aber ich kann mit Sicherheit sagen, das es hier nicht sehr grün ist.
Wir bleiben in einem kleinen Dorf stehen um nach einem Hotel zu fragen. Drei Männer fragen uns gleich, ob wir bei ihnen übernachten wollen, no problem, no pay. Sie wirken nett, schnell entschieden, wir folgen ihnen.
Alles ist echt nett, wir sitzen herum, trinken Tee. Abdul fragt ob ich mich erfrischen möchte, also geh ich ins Haus wo seine Frau und seine Töchter sind. Sie bringen mich in ein Zimmer und ich warte, warte und warte. Nach einiger Zeit kann ich mich doch waschen, ich will zurück gehen, Fehlanzeige. Endlich schaffe ich es doch zurück zu den Jungs, aber nach einer Minute fordert ein Mann Marc auf mich wieder weg zu schicken. Nice! Also gehe ich zurück ins Haus, koche und schaue mir 3 mal das Buch „point on it“ mit den Mädls durch.





In der Früh freue ich mich das Haus zu verlassen. Jeder der der mich kennt, kann sie vorstellen wie gut ich in diese geschlechter trennende Gesellschaft passe.

