Es ist nicht weit bis Khartum, ca 400km aber wir sind etwas besorgt, dass wir die Strecke mit Tams angeschlagenem Innertube schaffen. Jeden Morgen kontrolliert er den Druck, aber heute ist viel zu wenig dring. Also Reifen wieder abmontieren, Ventil provisorisch abdichten, Innertube wieder rein. Was wir bis jetzt auf jeden Fall gelernt haben: Instant Gasket löst alle Probleme!
Wir starten also ein wenig später als geplant und fahren weiter Richung Süden. Auf dem Weg nach Khartum sind noch 2 Sehenswürdigkeiten, die wir nicht verpassen sollen. Beide liegen nicht an der Hauptstraße, das heißt wieder Offroad und Sand fahren. Wir brauchen recht lange, bis wir bei den alten Ruinen angekommen sind. Auf dem Weg zurück verpassen wir die „Straße“ und kommen bei einigen Einheimischen vorbei. Alle betteln und wollen etwas zu essen haben. Wir geben ihnen unser letztes Brot, aber anstatt sich irgendwie zu bedanken sagen sie nur „more and money“. Ein anderes Mal geben wir einem Jungen einen Sudanese Pound, er sagt nicht einmal danke sondern nur 2 und das nicht einmal freundlich. Ich weiß echt nicht wie ich mit so einer Situation umgehen soll. Ich habe das Glück, in Österreich geboren zu sein und eigentlich müsste ich das teilen, aber auf der anderen Seite finde ich es nicht gut, wenn ich betteln unterstütze. Ich hab kein Problem mein Essen zu teilen, aber das wird oft zurückgewiesen, man will nur Geld. Vielleicht ist es kurzsichtig, aber wenn jemand Brot nicht annimmt, wie schlecht kann es ihm dann gehen? Wir beschließen, in Zukunft nur noch getrocknete Datteln herzugeben, die sind von hier und jeder mag sie.



Es wird zu spät, um noch die Quelle zu besuchen also fahren wir zurück zur Straße und finden eine „ausgezeichnete“ Lokanda, die einfachste in der wir je waren. Kein Polster, keine Matratze, aber dafür in Tam’s Fall andere Mitbewohner mit denen er sein „Zimmer“ teilt. Mitten in der Nacht wacht er auf weil eine Maus voller Elan sein Moskitonetz als Klettergarten benutzt.



Sand im Vergaser

Wir stehen vor dem Problem, dass Tankstellen oft übers Wochenende geschlossen bleiben, also daürt es nicht lang und Tam muss bei mir Benzin ablassen. Der Luzifer Melkprozess verläuft nicht ganz unproblematisch, Tam bringt etwas Sand in die Benzinleitung. Ich fahre los, sie schießt zweimal aber sonst gibt es kein Problem bis Khartum. Plötzlich nimmt sie kein Gas mehr an. Das einzige, was noch funktioniert ist das Standgas, also cruisen wir mit einer Maximalgeschwindigkeit von 20km/h durch Khartum zu unserem Güsthouse. Die Einheimischen müssen sich denken, dass wir total spinnen und dass wir unmöglich den ganzen Weg von Europa gekommen sind.
Tam und ich zählen 1 und 1 zusammen und sind der Überzeugung, dass Tam der Schuldige dieses Desasters ist. Ich bin etwas saür, aber Tam sagt gleich, er übernimmt alle Kosten. Beim Zerlegen wird schnell seine Unschuld bewiesen. Meine Düsennadel ist in 2 Teile gebrochen, es war schon Sand im Vergaser, aber der ist ziemlich sicher mit der Luft angesaugt worden. Ich hätte meinen Luftfilter nicht öfter kontrollieren oder wechseln können. Vielleicht hatte ich eine Falte im Seidenüberzug für meinen Luftfilter sodass da Sand hineingekommen ist. Ich weiß es nicht! Was solls sowas passiert manchmal.



Recht depremiert rufe ich beim Didi und Klaus, unsere 2 KTM Spezialisten an, die uns zu jeder Tages- und Nachtzeit helfen wenn wir Probleme haben. Nicht nur, dass ich sie bitte, die Teile zu besorgen, nein nein, es muss auch noch dazu wirklich schnell gehen. Didi macht das Unmögliche möglich und schickt die Teile noch am Montag raus. Von 8 Uhr früh, nach 140km herumfahren, und den ganzen Tag unser Teile suchen schickt er am Abend mit DHL ein Päckchen in den Sudan. Tut mir wirklich leid Didi und nochmal danke vielmals. Gott sei Dank kommen die Teile am Donnerstag an, weil Freitag und Samstag ist alles zu.
Wie reinigen den Vergaser, baün die neün Teile ein und Luzifer läuft wieder. Aber leider nicht ganz normal, die Beschleunigung lässt zu wünschen übrig und sie rußt gewaltig, normalerweise ein Zeichen für zu viel Benzin. An der Tankstelle bekomme ich einen Schock als ich den Benzinverbrauch sehe, statt 4,5l pro 100km das Doppelte. Das Spiel geht wieder von vorne los. Wir zerlegen den Vergaser und sehen, dass die Nadel ein wenig größer ist, als die Originale. Aber Luzifer läuft und wir werden auch so nach Addis gelangen.
n den letzten Tagen im Sudan versuchen wir, einige Dinge im Internet zu besorgen, erfolglos! Fast alle Seiten sind sanktioniert. Wir können jeder unsere homepage bearbeiten, noch uns bei ebay einloggen und Zahlungen mit Paypal sind auch unmöglich. Wir können nicht einmal mit unseren Kedritkarten bezahlen (USA blockt alles), sobald wir uns von einer sudanesischen Internetverbindung einloggen. Jeglicher internationaler Geldaustausch ist verboten, so erklärt sich auch die Wahnsinns Exchange rate an der grenze. Felix bekommt fast täglich irgendwelche Bitten, Dinge für uns zu erledigen. Ohne ihn wären wir aufgeschmissen. Wir schluden ihm eine Menge! Danke Mitbewohner!




Einreise nach Äthiopien

e weiter wir Richtung Süden fahren, umso mehr wissen wir, dass wir jetzt endlich am Eingang zum „richtigen“ Afrika sind. Wir sind an der Grenze bei Metema angelangt. Diesmal gestalten sich die Grenzaktivitäten echt angenehm. Wir werden sogar zum Abnedessen mit den Grenzbeamten eingeladen. Auf der Äthiopischen Seite müssen wir zum ersten Mal nichts bezahlen, weder für Versicherung, Einfuhrsteuer, nix. Ein Wunder!





Man merkt gleich eine drastische Veränderung. Frauen sind nicht mehr verschleiert sogar im Gegenteil recht flirty. Man trinkt Bier und alles ist recht locker. Die Straßen sind ausgezeichnet, fast keine Schlaglöcher. Aber wir sind nicht die einzigen Straßenbenützer, tausende Leute, Kühe, Schafe, Ziegen, Hunge, Katzen und Esel benutzen auch diese manchmal oder eher meistens nicht ganz regelkonform. Ich sitze auf meinem Motorrad und weiß auf einmal, dass ich es wirklich geschafft habe. Seit Jahren träume ich von dieser Reise und jetzt bin ich hier, in Afrika! Mir schießen unweigerlich Tränen in die Augen, weil ich einfach überwältigt bin! Ich weiß, jemand wäre sehr stolz auf mich gewesen, wenn er mich hier sehen könnte.


Die Umgebung wird zusehens grüner, fast jeder Fleck des Landes wird landwirtschaftisch genutzt. Wir sehen Farmer die ihr Getreide ohne jegliche Hilfsmittel nur mit ihren Händen ernten. Frauen, die große flache Körbe schütteln um den Weizen vom Streu zu trennen, Kinder die sich um ihre Kühe, Ziegen oder Esel kümmern. Wenn Kinder uns auf unsern Mopeds sehen wissen sie oft gar nicht wohin mit ihrer Aufregung, sie tanzen, klatschen in ihre Hände oder erstarren einfach nur, was manchmal auch in ein Zittern oder aufgeregtes Zappeln übergeht. Die meisten strahlen über das ganze Gesicht und winken uns zu, aber nicht alle sind so herzig. Manche kleinen bösen Kreaturen bevorzugen es, Steine, Stöcke oder was auch immer sie zur Hand haben, zu werfen. Wenn Marc und Tam plötzlich in meinem Spiegel verschwinden, weiß ich was sie machen. Sie machen sie eine Art Spaß aus dieser Situation (natürlich nur weil sie an die Zukunft denken), sie bremsen schlagartig, drehen um und jagen die Kinder ein paar Meter über Stock und Stein. Natürlich tun sie ihnen nichts, sie versuchen sie nur ein wenig zu verängstigen damit sie das nächste Mal zweimal darüber nachdenken bevor sie einen Stein werfen. Dann kommen sie zurück und können sich vor lachen kaum halten.
Je höher wir kommen umso schlechter wird Luzifers Fahrverhalten. Keine Leistung, aber dafür umso mehr Dreck den sie aus ihrem Auspuff raushaut, noch dazu überhitz sie. Fahren ist so anstrengend, wenn dein Motorrad nicht richtig läuft! Meine Reichweite fällt von 400km auf weniger als 200km, ausgerecht in Äthiopien, einem Ort wo man unheimlich schwer an Benzin kommt. Fast jede Tankstelle schickt uns weiter, „next village in 100km“. Gratuliere! Endlich finden wir eine die noch Benzin hat, aber der Treibstoff ist rationiert, also müssen wir zu einem Office um ein Tankkarte zu beatragen. Es dauert eine halbe Ewigkeit bis wir es finden, aber eine halbe Stunde später tanken wir zusammen 30l in unsere Tanks. Was wir zu dieser Zeit nicht wissen, dass das die letzte Tankstelle bis Addis ist und Addis liegt noch 290km entfernt von uns. Wir versuchen so gut wie möglich Benzin zu sparen, sobald ein Gefälle kommt, schalten wir unsere Motoren ab machen uns so gut wie möglich windschlüpfrig und rollen leise die Hügel hinunter. Circa 80km vor Addis muss ich auf meine 6l Notreserve aus Tam’s Kanistern zurückgreifen. Tam ist der nächste der auf Reserve dreht und es dauert auch nicht lange dass Marc unserem Club beitritt. Also jetzt sind es 3 verzweifelte Biker, die nach Benzin suchen. Tam ergattert 4l bei einer chinesischen Bohrstation zu einem akzeptablen Preis, aber wir müssen nicht darauf zurückgreifen weil 10km später finden wir endlich unsere heiß ersehnte Tankstelle. So schaffen wir es also tatsächlich bis nach Addis Ababa!







