In Tanger kommen wir am neuen Hafen Tanger Med an. Blitzblank und super organisiert präsentiert er sich uns, die Abfertigung geht so schnell, dass ich schon rausfahre, als ich immer noch über den Polizisten lachen muss. Er sagt: „ Ah KTM, was für eine Lärm“ und kullert lustig mit seinen Augen. Doch mit zunehmender Geschwindigkeit vergeht mir das Lachen. Nur mit eingesetzten Gehörstöpseln kann ich die schöne Küstenstrasse nach Tetouan richtig geniessen. Das Meer funkelt azurblau, feine Wellen kräuseln sich am Strand doch auch wenn die Zeichen auf Frühling stehen, ist es noch empfindlich kühl. Die Berge um Chefchauen sind alle noch schneebedeckt, doch hie und da sind die ersten Blüten zu sehen. Fes’ Altstadt verzaubert uns mit ihrem Charme. Vom Gerberviertel kann ich mich fast nicht mehr losreissen, so fasziniert bin ich von dem Schauspiel, dass sich uns bietet. Rot in allen Schattierungen schillert es aus den Becken, wo die Häute in mittelalterlicher Manier gefärbt werden. Die Färber stampfen ihn kurzen Hosen in der Brühe bis das Leder die Farbe angenommen hat. Mit Eseln werden die nassen Häute an sonnige Stellen gebracht zum Trocknen.



Über das Plateau de Rekkem fahren wir südwärts. Doch hier ist noch Winter und am Morgen haben wir eine dicke Eisschicht auf dem Zelt. Die kleinen Pisten verzweigen sich immer wieder und wieder, mir ist es egal solange sie südwärts führen.



Dünensurfen im Erg Chebbi

Warme Luft umströmt mich, Tauben gurren irgendwo im Dickicht und ich liege faul an der Sonne. Heute bin ich quer durch den Erg Chebbi gefahren, auf die höchste Düne von Merzouga geballert und nun trinke ich eine kalte Cola und mache Claudia die Ergtour schmackhaft, den wenn ich ganz alleine fahre macht es nur halb soviel Spass.



Wir bleiben noch ein paar Tage in Merzouga und geniessen das wunderbare Essen von Francoise. Sie ist ursprünglich von Frankreich und lebt bald schon seit 20 Jahren im südlichen Teil von Marokko. Nicht nur David hat Spass in den Dünen und nachdem wir den Erg Chebi mehrmals durchquert haben zieht es uns weiter nach Taouz und von dort drehen wir Richtung Westen ab. Die Piste windet sich durch weite, malerische Täler der algerischen Grenze entlang. Oued Ouzina hinterlässt einen knirschenden Eindruck in Claudias Mund. Lange ist es her, dass wir soviel Fesch- Fesch auf einer Piste hatten.



In Mhamid lernen wir aufgestellte Tschechen kennen, die uns gleich zum Slivovitschtrinken einladen. Wir lehnen dankend ab, mit der Begründung, dann können wir nicht mehr fahren. Sie lachen und Pavel meint: „ Ich hab Angst, ohne Schnaps zu fahren!“ Angst hätte ich wohl auch mit der fetten 1150GS im Gelände. Am Abend feiern wir alle grundlos zusammen und Claudia und ich lernen die ersten Worte russisch für die nächste Reise. Jan sagt uns die wichtigsten Sätze. Der zweite Satz bringt es bereits auf den Punkt. „Wir müssen trinken,“ nada babitsch.



Wir fahren weiter nach Westen wo wir am Lac Iriki auf eine Schwemmtonebene treffen. Wir könnten direkt Übermütig werden und den Gasgriff aufreissen, doch zu schnell ist ein Absatz übersehen. Die Gegend ist sehr einsam und wir sind ganz auf uns allein gestellt. In der Nacht ist es jetzt so warm, dass wir ohne Zelt im Schlafsack schlafen. Am nächsten Tag macht uns das Militär einen Strich durch die Rechnung und wir müssen wenige Kilometer südöstlich von Tata nach Norden abdrehen. Da waren wir wohl allzu nah an der nicht klar definierten Grenze. Von Icht fahren wir durch die immer enger werdende Schlucht welches die letzte Piste auf unserer Tour nach Igmir ist. Entlang der Küste fahren wir zurück Richtung Hafen.




