“The morning after the night before” – es wurde ein langsamer Start nach einer langen Nacht. Wir packten unsere Siebensachen und fuhren nordwärts. In Hungerford passierten wir die Grenze zu Queensland und mussten das Gatter des Dingo-Zauns öffnen, welcher über mehr als 5‘500 Kilometer Dingos und wilde Hunde abhalten soll. Jean-Pièrre war zurückgefallen mit einer defekten Sicherung und wurde von Kevin, Lennie und Trevor geholfen. In Hungerford, einem weiteren charaktervollen urigen Outback-Pub, quatschten wir mit einem Polizisten, dessen Revier so gross wie die Schweiz ist. Mit seinem Erscheinen im Pub gab er den Leuten den versteckten Hinweis, dass ausserhalb Hungerford ein Alkoholtest auf die Durchreisenden wartete. Lennie hatte bis nach 4 Uhr morgens tief in die Rumflasche geguckt und zog es vor, noch ein bisschen im Pub zu verweilen und Tee zu trinken. Wir fuhren weiter und wurden schon bald zum Alkoholtest angehalten. „Aha, noch mehr Mitglieder vom OCR 2010 Drinking Team“ witzelten die beiden Polizisten über die unverkennbaren Aufkleber, welche Phil auf alle unsere Motorräder zu Beginn der Reise angebracht hatte. Wir lachten ebenfalls über die Situationskomik – welcher Polizist würde schon Biker mit grossen „Drinking Team“ Stickers ohne Alkoholtest passieren lassen? – erfuhren dann aber zu unserer Erleichterung, dass alle bestanden hatten.
Wir passierten Bilderbuch-Outback-Landschaften mit roter Sandpiste, weiten offenen Buschlandschaften und sanften Hügelzügen am Horizont. Die Piste war bereits in einem besseren Zustand als berichtet von den Leuten, die auf diesem Weg ans Treffen gefahren waren, die schmierigen und schlammigen Stellen hatten bereits gut abgetrocknet. Es gab viele Wildtiere hier draussen: Kreisende Adler und Falken, ganze Schwärme von kreischenden Galahs und grünen Finken, einige Emus und viele Kangaroos. Die letzten beiden Spezies verlangen nach Aufmerksamkeit beim Fahren, da ein Zusammenstoss meistens mit einem Sturz endet und deshalb vermieden werden soll. Ein stattliches Wildschwein sprang vor Gabe’s Vorderrad und trottete dann unbekümmert ins Gebüsch, im Gegensatz zu Gabe, welcher sich erst vom Fast-Zusammenstoss erholen musste.
Nach soviel Regen würde diese Gegend in etwa 2 Wochen übersäht sein mit wunderschönen Wildblumen. Schade, vielleicht klappt’s das nächstemal.



In der Nähe von Eulo trafen wir wieder auf die „schwarze Schlange“ und mit dem Teer auf etwas Verkehr. Mit dem Wechsel von unbefestigter auf befestigte Strasse wird es üblicherweise langweilig. Bei unbefestigter Strasse ist die Piste jeweils Teil der Landschaft, und der stetig ändernde Pistenzustand und die wechselnde Pistenfarbe (von rotem zu hellbraunem Sand, von weissen zu dunklen Steinen) machen das Umfeld noch attraktiver. Bei befestigter Strasse hingegen schneidet der schwarze Teer die Landschaft in zwei Teile, was besonders langweilig aussieht, wenn die Strasse als schnurgerade Linie bis zum Horizont führt.
In Eulo bezogen wir Pubzimmer und schauten uns in den lokalen Galerien Schmuck aus Boulder Opal an, welcher in dieser Gegend abgebaut wird. Es waren auch viele Aboriginal-Gemälde ausgestellt, die Regula in den Bann zogen. Sie konnte nicht widerstehen und liess sich 4 kleinere Bilder nach Hause senden. Auf die Aussage „ich höre nun wohl besser auf mit dem Shoppen, oder ich kaufe noch das ganze Geschäft“ entgegnete der Ladenbesitzer frohlockend „das Geschäft können Sie gerne kaufen, das steht nämlich auch zum Verkauf!“
Wir waren ganz froh, dass wir im Pub nicht die „Queen Eulo Würste“ bestellten zum Nachtessen, denn hier handelte es sich um zwei Monsterwürste mit Beilage, die über den Tellerrand hingen, und zwei hungrige Personen mehr als satt machten. Klar mussten wir den Kollegen helfen, die sehr schmackhaften Dinger zu bewältigen. Schlechte Nachricht für den Wirt: Kein Platz für Dessert heute!

