Nach dem Frühstück trennten wir uns von Gabe, welcher heimwärts nach Townsville fuhr. Durch riesige Weizenanbauflächen und gigantische offene Minenlandschaften erreichten wir Nebo, dann bogen wir nordwärts ab in Richtung Eungella Nationalpark. Zuerst gings auf schön griffiger Kiesstrasse durch schönes hügeliges Farmland mit spektakulären Ausblicken auf die Eungella Gebirgskette. Was für ein toller Tag! Enge Kurven, Auf- und Abfahrten, ein perfekter Track und kein Verkehr liessen uns so richtig schwelgen. Wir machten Brotzeit-Halt an einer malerischen Furt mit Froschgequake und Libellen im schimmernden Spiegellicht über der Wasseroberfläche. Einer von vielen weiteren idyllischen Lagerplätzen in den nächsten 10 Kilometern entlang dem Flüsschen. Der Eungella Damm präsentierte sich dieses mal voll mit Wasser und grüner Umgebung, nicht als schlammige Kloake wie bei früheren Besuchen. Innerhalb von nur 20 Kilometern änderte die Landschaft abrupt von trockener Savanne zu saftig-grünem Regenwald, als wir den tropischen Regenwald-Gürtel des Eungella Nationalparks erreichten oben auf der Bergkette.




Regula freute sich schon mächtig auf ihr Lieblingshotel, welches an bester Aussichtslage hoch über dem Tal tront, und wo man bei einem schönem Glas Wein im Garten zuschauen kann, wie Hängegleiter von der Rampe beim Hotel abheben und bei guten Konditionen bis zum Meer bei Mackay entschwinden können. Die Enttäuschung war gross, als wir erfuhren, dass ein Zyklon im letzten März das Hotel zerstört hatte. Also hielten wir wehmütig beim Aussichtspunkt und sausten dann die kurvige Passstrasse runter ins Tal. Beim Finch Hatton Pub hielten wir Lagebesprechung, als dunkle Wolken aufzogen. Ein älterer Herr erkannte unseren Schweizer Accent und wir kamen ins Gespräch. Wir fragen ihn nach Uebernachtungsmöglichkeiten, da lud er uns vier kurzerhand zu sich ein. Zuerst waren wir skeptisch, aber es sollte sich als echter Glückstreffer herausstellen! Freddy emigrierte vor 52 Jahren von Montreux am Genfersee nach Australien, und heute lebt er auf einer Minifarm mit etwa 60 Rindern, zwei Hühnern, dem Hahn Diesel und einer „Hausschlange“, einer riesigien Pyton, die sich im Schopf einquartiert hat und das Opossum-Paar vom Schopf zum Asyl beim Haus vertrieben hat. Zuerst führte er uns um den Hof und gab uns feine exotische Früchte von den Bäumen ums Haus zum Degustieren, deren Namen wir noch nie gehört hatten. „Don’t look at the mess“ – warnte uns Freddy, als er uns ins Haus führte – also ignorierten wir die herrliche Unordnung und amüsiertenn uns über die beiden Hühner, die hinter uns durch die offene Tür ins Haus schlichen und unbekümmert durch die Küche auf die Veranda spazierten. Freddy entpuppte sich als begnadeter Koch und bereitete uns ein Festessen zu mit hausgemachter Mehrfrüchte-Pasta und hausgemachtem Mango-Semifreddo. Himmlisch! Zum Essen gesellte sich auch sein bester Kollege, der lokale Polizeichef. Es wurde eine Supernacht! Unerwartete Begegnungen wie diese machen Reisen in Australien so speziell, man trifft hier auf aussergewöhnliche Leute.

